Das Piemont lieben wir, auch kulinarisch, warum also nicht mal mitten in der Lombardei in ein Restaurant gehen, das sich mit Leidenschaft der benachbarten Region widmet? Und so landen wir an einem Dezemberabend in der Cantina Piemontese nahe der mächtigen Basilica di Santo Stefano Maggiore. Reserviert haben wir einen Tisch in der Sala Laghetto, ein kleiner Raum mit gemütlicher und intimer Atmosphäre – dessen Name vom "Laghètt de Milàn" kommt, auf den man durch die Fenster des Raums blickt. Gemütliche Samtbezogene Sessel in kräftigen Farben – von Gelb über Rot bis hin zu Türkis –, geschickt platzierte Pflanzen, ein schöner alter Steinboden, angenehm gedimmtes Licht. Beste Voraussetzungen für einen gemütlichen Abend im Herzen Mailands. Und was auf den Tisch kommt, das schmeckt uns ausgezeichnet: Mit Thunfisch gefüllte Peperoni mit Anchovisfilets und Kapern, eine ausgezeichnete Patè von der Gans, Steak vom Fassona-Rind aus dem Piemont, Tagliatelle mit „antico ragù bianco di manzo" und Artischocken. Dazu glasweise exzellente Weißweine und ein angenehmes, unaufgeregtes und sehr aufmerksames Service. Im Dezember logischerweise keine Option, aber im Sommer macht ein Abend im charmanten Restaurant-Garten ganz bestimmt auch Spaß. Große Empfehlung! (Reservierung empfohlen!)
Cantina Piemontese
Via Laghetto 2 I 20122 Mailand
Tel.: +39 (02) 784618
Wenn es darum geht in Italien eine authentische Osteria oder ein gutes Restaurant zu finden, dann hat der Slow Food Führer Osterie d`Italia noch nie enttäuscht. Und auch in Mailand weist er uns bestens den Weg: Und zwar in die Osteria La Bettola di Piero. Praktischerweise liegt sie nur ca. 10 Gehminuten von unserem Hotel entfernt und da wir tagsüber stunden- und kilometerlang in Mailand unterwegs waren, ist das auf jeden Fall ein wichtiges Zusatzargument. Gemütlich ist es hier, rot-weiß karierte Tischdecken, Reproduktionen von alten Werbesujets an den Wänden und wir sind ganz offenbar die einzigen, die nicht von hier sind. Das mögen wir. Ob Fleisch oder Fisch, hier ist man mit beidem gut aufgehoben und ebenso mit Pasta und Risotto. Wir sind zu fünft und essen uns quer durch die Karte, kreuz und quer wird gekostet, mhmmmm, köstlich, lass mich mal probieren.... Dazu gibt es gute Weine aus der Lombardei bzw. dem Piemont und zum Abschluss, nach den dolci (die Crème brulee war wunderbar!!), noch einen hausgemachten Haselnusslikör. Den sollte man auf keinen Fall auslassen... Hierher kommen sollte man übrigens am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, denn Parkplätze sind in der Gegend Mangelware. (Reservierung empfohlen!)
Osteria La Bettola di Piero
Via Orti, 17 I 20122 Milano
Tel.: +39 02 / 55 18 49 47
Eine sehr gute Wahl treffen wir auch mit dem Ristorante San Maurì nahe dem Dom: Hier setzt man auf Küche aus der Region, auf Zutaten von kleinen, ausgewählten Produzenten aus Mailand und der Lombardei sowie auf Slow Food und das möglichst saisonal beeinflusst. Und das kommt dann auf den Tisch: Einem herrlich leichten, tomatig schmeckenden Amuse-Gueule folgen Stockfisch-Creme auf gebratenen Polenta-Medaillons und süß-sauren Tropea-Zwiebelblättern, hausgemachte Tagliatelle mit langsam gegartem Rind, gegrilltes Wolfsbarsch-Filets auf süß-saurem Fenchel, Orangen, Pinienkernen und Rosinen sowie geschmorter Tintenfisch auf Knollenselleriecreme mit sautiertem Brokkoli und Chips aus schwarzen Oliven. Dazu glasweise Weine aus der Region. Das Service freundlich, umsichtig und professionell – auch hier gilt: Empfehlenswert!
Ristorante San Maurì
Via San Maurilio, 4 I 20123 – Milano
Tel.: +39 (02) 890-0588
Frühstücken in Mailand? Es gibt viele Möglichkeiten, aber wir kommen hierher gleich zweimal, auch weil sie nur wenige Gehminuten von unserem Hotel, der Casa Brivio, entfernt liegt: die Farini Bakery nahe dem Stadttor Porta Ticinese. Denn hier startet es sich richtig gut in den Tag: Mit den köstlichen Cornetti alla crema haben sie ohnehin sofort mein Herz erobert, aber auch mit den Cornetti alla cioccolata kann ich viel anfangen, wie auch mit anderen süßen Teilen, die so wahnsinng verführerisch an der langen Bar hinter Glas auf einen warten. Sehr gut auch der Kaffee, sagt mein Mann, und dies obendrein zu herrlich vernünftigen Preisen. Wer nicht so sehr auf ein süßes Frühstück reflektiert, der kann hier auch bei anderen Frühstücks(eier)gerichten aus dem Vollen schöpfen oder gar gleich mit einem Stück Pizza oder einer Focaccia herzhaft in den Tag starten. Im Dezember war es uns im angebauten Wintergarten zu kalt (wo die Milanesi allerdings mutig Stellung hielten), im Sommer sicherlich eine nette Option. Manchmal braucht es etwas Geduld im Farini, denn der z.B. sonntägliche Ansturm an der Bar kann mitunter groß sein...
Farini Bakery
Corso di Porta Ticinese, 53 I 20123 Mailand
Solferino, das klingt so romantisch, meint meine Freundin aus Hongkong, mit der ich durch das Brera Viertel schlendere. Nun, dieser Irrtum ist schnell aufgeklärt, denn romantisch war die Schlacht von Solferino, die Entscheidungsschlacht im Sardinischen Krieg zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich (unter Napoleon III.) ganz sicher nicht. Wenn auch wichtig für die italienische Geschichte, zumal durch die österreichische Niederlage bei Solferino (am 24.6.1859) der Krieg von Sardinien gewonnen und damit der Weg für die Einigung Italiens geebnet worden war.
Das Eis in der Gelateria Solferino im Brera-Viertel schmeckt jedenfalls und das großartig. Dass dies in Mailand bekannt ist, zeigt auch die kleine Schlange, in die wir uns einreihen müssen. Aber: das ist es allemal wert. Übrigens: wer Nocciola und Limone mag wie ich, der sollte das hier auf jeden Fall ausprobieren.
Gelateria Solferino
Via Solferino, 18 / 20121 Milano
Da erzähle ich jetzt keine Neuigkeiten, wenn ich sage: Die Italiener:innen können nicht nur hervorragend kochen, sondern auch unvorstellbar gut backen. Auf jeden Fall sollte man auch in Mailand nicht an einfach an einer Pasticceria vorbei gehen, sondern einen Stop over machen, um zum Beispiel die herrlichen Sfogliatelle Napoletane (eine ursprünglich neapolitanische Spezialität, in diesem Fall mit Ricotta gefüllt) zu kosten. Na ja, oder vielleicht zwei oder drei... Kaum widerstehen kann man auch in der traditionsreichen Pasticceria Cucchi Milano, über die ich schon in einem anderen Blog-Beitrag erzählt habe...
Und einmal mehr haben wir uns auf unseren Slow Food Guide für Italien verlassen: Die traditionsreiche Osteria Grand Hotel liegt in einer etwas ruhigeren Gegend des beliebten Navigli-Viertels, das von zwei breiten Kanälen dominiert wird. Naviglio Grande und Naviglio Pavese heißen sie, verbunden sind sie durch ein Hafenbecken namens Darsena. Abends steppt dann sprichwörtlich der Bär entlang der Kanäle, hier gibt es unzählige Bars und Restaurants und alles sind sie gut besucht, kurzum, wer Nightlife sucht, der findet es hier.
Vor dem Lokal warten eine romantische Glyzinienlaube und eine Bocciabahn, im Sommer würde uns hier nichts von einer Runde Boccia abhalten. Inmitten von italienischen Familienfeiern fühlen wir uns dann richtig wohl in diesem leicht altmodischen Lokal und auch die Karte kann sich sehen lassen: Tagliata vom Piemonteser Rind, Bucatini all’amatriciana, Tagliatelle con ragù di corniglio (Ragu vom Hasen), Spaghetti alla chitarra con pomodoro – hier haben wir die Qual der Wahl. Das gilt übrigens auch für den Wein, denn auch die Weinkarte ist sehr umfangreich. Zum Abschluss einigen wir uns auf einen Käseteller, mit interessanten geschmacklichen Überraschungen. Wer danach die Kalorien wieder los werden will, der wandert am besten noch an den Navigli entlang, wo dann endgültig die Nachtschwärmer unterwegs sind und von Lokal zu Lokal schlendern...
Osteria Grand Hotel
Via Ascanio Sforza, 75 (Naviglio Pavese) I 20141 Milano
Ein weiterer Tipp, dieses Mal in luftiger Höhe: Wer eine Shoppingpause braucht, der kann diese besonders gut in der Obicà Mozzarella Bar im 7. Stockwerk des berühmten Rinascente-Kaufhauses direkt beim Mailänder Dom verbringen. Im Sommer noch dazu mit grandiosem Ausblick, nämlich aus nächster Nähe auf den genau gegenüberliegenden Dom. Ob DOP-Büffelmozarella aus Kampanien, Pizza oder andere traditionelle italienische Gerichte, die Speisenauswahl ist groß, die Getränkeauswahl auch. Wir entscheiden uns für eine Degustazione di Salumi mit Prosciutto di Parma, Salami, Bresaola und dem berühmten Capocollo-Schinken aus dem apulischen Martina Franca. Dazu nochh eine Degustazione di Fritti: Bocconcini aus Büffelmozzarella, Arancinette mit Steinpilzen, Kartoffelkroketten mit scharfer Salami und Zucchini im Teigmantel mit Senf. Genau das richtige um das vorweihnachtliche Gedränge im und rund um das Rinascente ein bisschen zu verdrängen...
Obicà Duomo
Food Hall, 7. Stockwerk
Rinascente Milano an der Piazza Duomo
Normalerweise bringen mich keine zehn Pferde in Lokale nahe großer Sehenswürdigkeiten: Achtung, Touristenfalle, schreit dann jede Faser meines Körpers. Aber dieses Mal siegt der Hunger. Zweieinhalb Stunden haben wir uns durch die großartige Pinacoteca di Brera treiben lassen, in wenigen Stunden geht der Flieger zurück nach Wien und jetzt haben wir Hunger, und was für einen. Also doch hinein ins nahe Ristorante Pizzeria Bacco di Brera. Wofür wir das Coperto von insgesamt 6 Euro bezahlen, wird mir zwar nicht so klar, aber die klassischen Pizzen (Quattro stagioni und Diavola) machen uns dann durchaus zufrieden, daran gibt es handwerklich nichts auszusetzen. Auch die Service-Mitarbeiterin, die unseren Sitzbereich betreut, ist sehr freundlich, vielleicht auch, weil ich Italienisch mit ihr spreche und der Schmäh zwischen uns rennt. Für alles abseits von Pizza kann ich hier also keine Aussage treffen, aber wer hungrig von toller Kunst in der Nähe der Pinacoteca di Brera dringend auf eine Pizza einfallen muss, kann das in diesem vom Stil der 60er/70er Jahre dominierten Lokal durchaus machen...
Ristorante Pizzeria Bacco di Brera
Via Brera 23 I 20121 Milano
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Wer nicht nur an kulinarischen Empfehlungen sondern auch an allgemeinen Mailand-Tipps interessiert ist, der sollte bei meiner Mailand-Artikel-Serie reinlesen, hier geht´s lang.