• Liebeserklärung an Umbrien
    96h im südlichen Umbrien (II)

Die Stadt mit der angeblich höchsten Lebensqualität weltweit steht am nächsten Tag auf unserem Programm. Nein, wir sprechen natürlich nicht von Wien, Zürich oder Vancouver, die sich alljährlich bei internationalen Studien um den ersten Platz matchen. The winner is: Todi!

Ein amerikanischer Urbanistik-Professor vergab vor einigen Jahren Bestnoten für die kleine Stadt im Süden Umbriens: Ideales Klima, optimale Größe, vorbildliches Verhältnis zum agrarisch geprägten Umland. Und schon war der Dornröschenschlaf dieses Geheimtipps beendet und es passierte, was in solchen Fällen unweigerlich folgt: Touristen kamen in Scharen, ein Run auf Immobilien setzte ein, Preise und Mieten stiegen. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu einem völligen Ausverkauf Todis kommt und die vielgerühmte Lebensqualität weiter erhalten bleibt… Wir merken an diesem Julitag jedenfalls wenig von den angeblichen Touristenanstürmen. Am schönsten nähert man sich der Stadt übrigens von Westen her, über die Tiber-Brücke von Pontecuti, an dem zusammengedrängt ein paar mittelalterliche Häuser stehen. Dann geht es auch schon steil den Berg hinauf, vorbei am großen Renaissancebau der Wallfahrtskirche Santa Maria della Consolazione, ins Stadtzentrum, wo Wohnhäuser und Kirchen, vom Ring der Befestigungsmauern umfasst, eng zusammen stehen.

Schöne Stadtplätze gibt es in Italien en masse, aber dieser hier, der gehört ganz sicherlich zu den schönsten: Die Piazza Vittorio Emanuele II. Großartig die große Freitreppe, die zum Dom hinauf führt, daran reihen sich die eleganten Rathausbauten und mittelalterliche Stadtpaläste. Eine Bühne, auf der sich dass Stadtleben abspielt. Also gleich mal hinein in den Dom Santa Maria, erbaut im 13. Jahrhundert, mit einer kunstvollen Rose in der Fassade. Ich bin besonders gebannt von dem großen Fresko des Jüngsten Gerichts an der Eingangswand, das 1596 in Anlehnung an Michelangelos Version in der Sixtinischen Kapelle gemalt wurde. Konkurrenz in Sachen dramatische Freitreppe bekam der Dom noch während seiner Bauzeit am anderen Ende des Platzes: Dort wurde der Palazzo del Popolo mit seiner ebenfalls eleganten Freitreppe errichtet. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Palazzo del Capitano mit seinen feinen, gotischen Fenstern, an der Südseite der Piazza dominiert der große Palazzo dei Priori. Den ersten Platz im Wettkampf um die schönste Freitreppe in Todi hat jedoch mit Grandezza die Kirche San Fortunato, wenige Schritte vom Hauptplatz entfernt, gemacht: Die imposante Treppe übertrifft die Konkurrenz in ihren Dimensionen um ein vielfaches. Die Kirche konnte der hier ansässige Franziskaner Orden nur mit Unterstützung der reichen Kaufherren Todis errichten. Die gedrungene Kirche – mit der unvollendeten Fassade – fasziniert mit seinen fantasievollen Bildhauerarbeiten am Hauptportal. Auch an San Fortunato, das parallel zu den Rathausbauten an der Piazza errichtet wurde, wurde übrigens mehr als 100 Jahre lang gebaut. Aber nun ist es genug: Die Sonne steht am Zenit und die Hitze scheint tonnenschwer auf unseren Köpfen zu lasten, wir kapitulieren. Der Kulturteil ist für heute beendet: Ab an den Pool, abtauchen, unter den großen Sonnenschirmen verschwinden, den Blick über die umbrische Hügelkette gleiten lassen und auf dem Landgut Casarciccia den Eiswürfeln beim Klirren im Glas zuhören…

Werbung aufgrund von Namensnennung/Verlinkung. Die Reise erfolgte auf eigene Kosten.