Ich mag alte Häuser. Und ich mag das, was manche Menschen aus alten Häusern
machen – und zwar ohne ihnen ihre Seele zu rauben. Victoria Schierhuber ist genau das gelungen,
mit ihren Mühlenhof Rooms in Langenlois im niederösterreichischen Kamptal.
Viele schöne Renovierungsprojekte kann man nur in Architektur- und Wohnmagazinen aus der Ferne bewundern. An dieses hier kann man ganz nahe ran. Denn Victoria Schierhuber hat aus einer alten Mühle ein kleines, aber feines Boutique b&b gemacht – in dem viel Design seinen Platz gefunden hat, aber irgendwie so, als hätte es immer schon dahin gehört. Wo man dieses Haus findet? Im niederösterreichischen (Weinbaugebiet) Kamptal, einer der schönsten Gegenden Österreichs, und das sage ich im vollsten Brustton der Überzeugung, denn diese Region ist für mich in den letzten zehn Jahren eine zweite Heimat geworden.
Es mäandert so gemütlich dahin, das Kamptal, eine malerische Flusslandschaft, gesäumt von wunderschöner Natur, hübschen kleinen Orten und ziemlich großartigen kleinen Strandbädern. 153 Kilometer ist der Kamp lang, entspringt als Großer Kamp an der niederösterreichisch-oberösterreichischen Grenze im Weinsberger Wald und mündet schließlich östlich von Krems in die Donau. Das Kamptal selbst ist als erstklassiges Weinbaugebiet bekannt, rund um Langenlois – und damit wären wir auch schon wieder zurück in den Mühlenhof Rooms, die im südlichen Abschnitt des Kamptals, am Loisbach außerhalb des Zentrums des 7500-Einwohner:innen-Städtchens Langenlois liegen. Dass wir hier gelandet sind, ist einem netten Zufall zu verdanken – denn meist wohnt man ja nicht „fremd“, wenn man in der Gegend ohnehin zu Hause ist. Und dennoch: Die Mühlenhof Rooms hatte ich schon lange am Zettel, nun hat es sich ergeben. (Schöner) Urlaubswohnen mit Design, in einer Gegend, die touristisch – glücklicherweise – nicht so übererschlossen ist wie so manche andere, ist oft gar nicht so einfach, aber hier, in Langenlois, findet man genau dies. Ein kleiner Glückstreffer.
Es ist ein früher Märzabend und uns empfängt ein frühlingszarter, pastellrosa Abendhimmel. Den Himmel sehen wir übrigens auch von unserem Zimmer aus und zwar in voller Breite. Nehmt doch das Garden View Zimmer, hatte mir Victoria geschrieben, da habt ihr einen besonders schönen Ausblick, vor allem am Morgen, bei Sonnenaufgang. Na den werde ich wohl fix verschlafen, wie ich mich kenne – gebucht wurde es trotzdem. Der Ausblick aus Zimmer Nr. 5 hält sein Versprechen jedenfalls auch am frühen Abend: Denn da legt sich ein wunderbares, honiggelbes Abendlicht auf die Wiesen, Bäume, Hausdächer und Weinhänge.
Altes Haus, frisches Design: Das hat unser Zimmer auf den Punkt gebracht. Was wir hier vorfinden: Ein großzügiges Bett, auf einem Podium platziert, alles farblich monochrom gehalten, sehr reduziert, aber alles da, was man braucht, dazu ein großer runder Wandspiegel, der das Design-Geschehen perfekt in Szene setzt. Auf Anhieb verliebe ich mich wieder mal in das String System von Nisse und Kajsa Strinning: Zeitlos, obwohl bereits 1949 von den beiden Architekt:innen entworfen. Schönes, schlichtes Design gepaart mit Funktion – das können sie halt in Skandinavien. Gleich ins Auge sticht auch die Pendelleuchte P376 KF1, von Preben Juhl Fabricius und Jørgen Kastholm für &Tradition entwickelt, ebenfalls schon ein Design-Klassiker, aus dem Jahr 1963. Schönes Detail der sehr skulpturell anmutenden Leuchte: Das Licht breitet sich in zwei Richtungen aus – ein schöner Lichtausfall nach unten und eine sanfte Stimmung nach oben. Und dann fällt mein Blick auf den Spade Chair von Faye Toogood für Please Wait To Be Seated: Ziemlich minimalistisch kommt er daher und stellt, wie ich nachlese, eine Mischung aus einem klassischen Melkschemel und einem Schaufelstiel dar. Inspiriert wurde die Designerin vom englischen Landleben ihrer Kindheit. Bequem, so ehrlich muss ich sein, finde ich ihn nicht, aber: Er zwingt mich in der Sekunde aufrecht zu sitzen, allein dafür gebührt ihm also schon Anerkennung.
Das (bequeme) Bett ist zum großen, breiten Fenster hin ausgerichtet. Sternderl schauen, erste Reihe fußfrei. Das mag ich – und der dunkle Nachthimmel hängt dann tatsächlich voller Sterne. Und Überraschung, irgendwie hat sich der versprochene Sonnenaufgang-Ausblick dann doch unterbewusst in meinem Gehirn verankert: Nicht ganz pünktlich, aber dennoch gerade noch rechtzeitig genug, um das Ausläufer-Licht des Sonnenaufgangs genießen zu können, wache ich dann am nächsten Tag von selbst auf. Wie schön.
Frühstück! Das steht im sogenannten Studio Space im Erdgeschoss, in der offenen Küche in hübschen Holzkistchen im Kühlschrank (der „breakfast bar“) schon bereit. Frühstücken kann man hier ab 8 Uhr, am langen Gemeinschaftstisch, über dem sich die Flowerpot-Lampen von Verner Panton in Position bringen. Ein weiterer Designklassiker aus den 60er-Jahren, verspielt und dennoch minimalistisch, dänisches Nachkriegsdesign, und ja, falls ich es noch nicht gesagt habe, auch die Dänen können halt einfach Design. Und in diesen hellen, großzügig gestalteten Raum mit den schönen Holzbalken an den Decken passen sie perfekt.
Es ist alles liebevoll vorbereitet: Das Körbchen mit dem selbst gemachten Sauerteigbrot (köstlich! Und diese knusprige Rinde!), dem überdimensionalen Croissant, Schinken, Käse und Aufstrich, Butter („Die schmeckt halt richtig gut nach Land, viel intensiver“, O-Ton, Ehemann), Eier, Joghurt und Müsli. Nicht zu vergessen die gute Marillenmarmelade (schließlich liegt die für ihre Marillen berühmte Wachau nur um`s Eck), die so fruchtig und dennoch nicht so furchtbar süß wie so manche gekaufte Marmelade schmeckt. Wir genießen also, blättern dabei ein bisschen durch die Weekender-Magazine vom Sideboard, die Sonne schiebt sich durch die Fenster zwischen den dicken Mauern und legt sich frühlingshell in den Raum. Ein richtig guter Start ins Wochenende…
Im Mühlenhof beruht zu Gast sein auf dem Selbstbedienungs-Prinzip: Self-Checkin per PIN, Selfservice beim Frühstück. Aber, spannend: Dennoch hat man das Gefühl, dass die Gastgeber:innen irgendwie trotzdem vor Ort sind. Die netten, persönlichen Begrüßungsworte am Tischchen im Zimmer, das liebevoll vorbereitete Frühstück am schön gedeckten Tisch, das ganze Ambiente. Irgendwie hat man das Gefühl zu Besuch zu sein, in einem Haus bei Freund:innen, die schon auf einen gewartet und alles für einen schönen Aufenthalt vorbereitet haben…
Auch noch gut zu wissen: Das Boutique B&B Mühlenhof Rooms verfügt über 5 Zimmer im Obergeschoss der alten Mühle, angemietet werden kann es auch exklusiv als ganzes, für Freundesgruppen etc. Das Motto „Design meeets wine“ kommt natürlich nicht von ungefähr: Das Kamptal steht für hervorragende Weine – und die kann man auch im Mühlenhof Rooms genießen. Einfach in der honesty bar selbst bedienen und bei einem Glas Wein den Studio Space im Erdgeschoss, das eigene Zimmer oder im Sommer den Garten genießen. Passend dazu findet man in der Küche auch salzige oder süße kleine Snacks. Bezahlung? Easy – einfach die entsprechende Geldsumme in die Geld-Box werfen, zusammen mit dem Zettel mit Namen, Zimmernummer und Liste der gekauften Getränke und Snacks. Was man in der Gegend alles unternehmen kann, dazu gibt´s in jedem Zimmer einen kompakten, aber wirklich gut zusammengefassten kleinen Guide mit vielen Empfehlungn – und hoffentlich hier am Blog auch bald mal einen Beitrag mit meinen Top-10-Lieblingsplätzen im Kamptal. Noch ein kulinarischer Tipp zum Schluss: Einen Besuch wert ist der ebenfalls von Victoria und ihrem Mann Martin betriebene Heurigenhof Bründlmayer in Langenlois; vom Picknick im Weingarten über Weinverkostung mit feiner Jause bis hin zu Fine Dining im Restaurant, hier weiß man ganz genau, wie das Kamptal schmeckt...
Boutique b&b
Mühlenhof Rooms
https://muehlenhof-rooms.at
Gartenzeile 5, 3550 Langenlois (Österreich)
E-Mail: stay@muehlenhof-rooms.at