• Entlang der Costa di Bari (I): Ciao Bari!
    Apulien I Italien

Juni 2025

Zwei Tage haben wir uns Zeit genommen, um mit Bari, Trani und Barletta ein paar der schönsten Städte
an der Costa di Bari, an der Ostküste Apuliens, abzuklappern. Und einen Abstecher ins geheimnisvolle Castel del Monte im Hinterland, dem Terra di Bari, zu unternehmen. Gleichsam ein Dreieck, das wir da abfahren, und wie wir feststellen, ein sehr schönes und ausgesprochen sehenswertes…

Ein hübsches Boutique-Hotel nahe Canosa di Puglia in der nördlichen Terra di Bari haben wir als Ausgangspunkt für unsere Erkundungen ausgewählt, eine elegante historische Villa, wunderschön renoviert, mit Pool, exzellentem Restaurant und einem wunderbaren Ausblick von unserem Zimmer – über gefühlt hunderte Olivenbäume hinweg. Hier starten wir morgens, nach ein paar morgendlichen Längen im schönen Pool, hierher kehren wir zurück, und ja, Überraschung, suchen gleich wieder das erfrischende Blau des Pools. Dazwischen: Schönes, Überraschendes, Beeindruckendes, das wir an der Costa di Bari zu sehen bekommen. Denn soviel sei schon mal verraten, davon bieten alle drei Städte, nämlich Bari, Trani und Barletta, so einiges. Und das geheimnisumwobene Castel del Monte im Hinterland der Küste sowieso.

Tag 1: Die Hafenstadt BARI steht am Programm – Hauptstadt Apuliens und mit ihren rund 300.000 Einwohner:innen nach Neapel die zweitgrößte Stadt Süditaliens. Erste Überraschung: Richtung Zentrum geht es mit dem Auto über eine wirklich beeindruckende, moderne Brücke, die Ponte sull`Adriatico (Adriatische Brücke). Die Schrägseilbrücke, mit einem markanten Pylon in Form eines verkehrten „Y“ in ihrem Zentrum, macht etwas her und soll die urbane Erneuerung Baris – Tradition wie auch Innovation – symbolisieren. Nachts, so lese ich nach, wird sie farbig beleuchtet, je nach Anlass. Aber wir sind morgens unterwegs, relativ früh sogar, denn wir haben nur bis Mittag Zeit und wollen in dieser relativ kurzen Zeit dennoch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sehen. Auch ein Grund, warum wir die Neustadt links liegen lassen, und gleich die Altstadt, Bari vecchia, anpeilen. Und so geht es (vom gut wei recht zentral gelegenen Parkhaus Parcheggio Saba Porto) vorbei am mächtigen Castello Normanno-Svevo (von den Normannen im 11. Jahrhundert als Wehranlage errichtet, unter den Bourbonen als Gefängnis genutzt) Richtung Altstadtkern.

Bari blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück: Bereits in der Antike war die Hafenstadt ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Ost und West. Unter byzantinischer und später normannischer Herrschaft entwickelte sich Bari zu einem bedeutenden religiösen Zentrum und einem wichtigen Hafen der Kreuzfahrer – vor allem nach der Überführung der Reliquien des heiligen Nikolaus im 11. Jahrhundert. In den Gassen der Altstadt, rund um die Basilika San Nicola und den historischen Hafen, zeigt sich bis heute, wie sehr Handel, Seefahrt und kultureller Austausch die Identität der Stadt geprägt haben.

Erster Stopp: Die Cattedrale San Sabino, in der erfreulicherweise kaum etwas los ist. Nur ein paar versprengte Besucher:innen, die wie wir offensichtlich beeindruckt sind von der Eleganz dieser Kirche und dem schönen Ziborium. Benannt ist die Kathedrale nach dem Hl. Sabinus (Sabinus von Canusium), dessen Gebeine im 7. Jahrhundert nach Bari gebracht wurden und die sich bis heute in der Krypta befinden (im Hauptaltar von 1744 in der mittleren Apsis), die sich im Gegensatz zum Kirchenraum überraschend barock zeigt. Ebenfalls in der Krypta (über dem Altar) befindet sich die Ikone der Madonna dell`Odegritia: Sie soll im 8. Jahrhundert von Mönchen vor dem berühmten Bildersturm in Konstantinopel gerettet und in Bari in Sicherheit gebracht worden sein.

Neben dem rechts gelegenen Zugang zur Krypta befindet sich übrigens eine Tür, durch die es hinunter geht, unter das Langhaus der Kirche. Zumindest haben wir davon gelesen, aber keinen Zuständigen gefunden, der uns die Türe geöffnet hätte. Schade, denn es soll mehr als beeindruckend sein, was man da unten zu sehen bekommt: Lange Gänge und Kammern, Mauern der Vorgänger-Kathedrale, römische und frühchristliche Mosaike. (Tipp: Vermutlich fragt man danach am besten gleich beim Ticketkauf an der Kassa nach!)

In Reiseführern wird vielfach über den üppig dekorierten Innenraum der dreischiffigen Kirche geschrieben; auf mich wirkt die Kirche hingegen eher schlicht, aber auch sehr elegant. Das mag aber auch an dem weißgrauen Kalkstein und der Tatsache liegen, dass im Innenraum generell wenig Farbe vorherrscht – abgesehen von ein paar wenigen Freskenresten und einem Gemälde, dem großen Tafelbild „Himmelfahrt Mariens“ an der Stirnseite des linken Querhauses. Bevor wir die Kirche wieder verlassen, schaue ich noch mal hinauf zur Fensterrosette, durch die gerade das Sonnenlicht hineinfließt ins Kircheninnere. Wunderschön…
Apropos, wer sich über den großen runden Anbau an der linken Längsseite wundert: dabei handelt es sich um eine „Trulla“, die einst, freistehend, das Baptisterium der Kathedrale war – heute aber befindet sich in dem mittlerweile angebauten Rundturm die Sakristei. (Apropos, der Eintritt in die Kirche ist nicht gratis, ein Ticket kann man im Ticket Office rechts der Kathedrale erwerben.)

Und dann geht es auch schon wieder hinaus aus dem halbwegs kühlen Kirchengebäude, in die Juni-Hitze, die sich in Bari ziemlich schwer auf die Gassen und Plätze legt. Sie verschlucken uns schnell, die engen, fast schon orientalisch anmutenden Altstadt-Gassen, die dann doch recht gut gefüllt sind mit Tourist:innen, obwohl wir noch in der Vorsaison unterwegs sind. Allerdings, kaum verlässt man die Hauptpfade in der Altstadt, findet man sich teilweise komplett allein wieder in Baris Gassengewirr...

Erst lassen wir uns einfach treiben durch die Gassen, aber dann peilen wir ganz konkret unser nächstes Ziel an: Die wuchtige Kathedrale San Nicolo, die, ja, der Name verrät es bereits, dem heiligen Nikolaus geweiht ist, denn seine Gebeine ruhen genau hier. Als diese 1087 in Bari ankamen, wusste man allerdings vorerst gar nicht wohin mit diesen Gebeinen. Denn einen Schutzpatron gab es ja bereits und mit der Kirche San Sabino auch eine Kathedrale. Wohin also mit den Gebeinen? Es musste ein Machtwort her, und das lieferte schließlich Herzog Roger Bursa: Auf dem Gelände des ehemaligen byzantinischen Statthalterpalastes (Regierungspalast) sollte eine neue Kirche für den Heiligen errichtet werden. Dies geht natürlich nicht von heute auf morgen, und so konzentrierte man sich zunächst auf den Bau der Krypta, wodurch diese bereit 1089 fertiggestellt wurde und die Gebeine des hl. Nikolaus dort ihre Ruhestätte finden konnten. Die Basilika selbst wurde erst viel später fertiggestellt. Unter den Heiligen ist Nikolaus übrigens einer der meist verehrten und hat auch als Schutzpatron viel zu tun: nämlich für die Kaufleute, Seefahrer, Bäcker, Schüler und Kinder im Allgemeinen. 

Die Basilika im romanisch-apulischen Stil ist vor allem für ihr wunderschönes Ziborium bekannt. Dieses müssen wir sehen, deswegen sind wir eigentlich hierhergekommen, mein Mann, der das Ziborium als Historiker einfach gesehen haben muss, und ich, die von schöner Kunst sowie magisch angezogen wird.

Mitten drinnen in einer süditalienischen Hochzeit...
Aber dann: Warten. Denn ja, erst mal findet in der Kathedrale eine Hochzeit statt. Wir sitzen das jetzt aus, flüstert mir mein Mann zu, ich MUSS das Zibrorium aus der Nähe sehen. Also schieben wir uns mit gebührendem Abstand in eine der hintersten Bankreihen, wie so viele andere Tourist:innen auch. Offensichtlich kein Problem bei einer richtig süditalienischen Hochzeit, mit vielen Gästen, tutta la famiglia und zahllosen Freunden in ausgesprochen farbenfrohen und teils sehr eleganten Outfits, und ständigem Kommen und Gehen. Denn es ist heiß, sehr heiß, auch in der Kirche und viele verlassen diese immer wieder für ein paar Minuten, um im Schatten der Kirche ein wenig frische Luft zu genießen. Irgendwie undenkbar auf einer österreichischen Hochzeit, dieses Kommen und Gehen, denke ich mir, und dann stehen plötzlich Braut und Bräutigam links und rechts neben dem Priester am Altar, den Gästen zugewandt, ein breites Lachen im Gesicht, und dann wird abgebusselt, nämlich der Priester. Und das ist jetzt irgendwie auch sehr nett, weil es so unverkrampft, so authentisch, so herzlich wirkt. Und dann dauert es, ziemlich lange, es gibt offensichtlich viel zu sagen, und selbst als Braut und Bräutigam schlussendlich im Hafen der Ehe eingelaufen sind, dauert es noch mal. Denn nun geht es um den perfekten Auszug aus der Kirche. Die Braut wirkt schon etwas mitgenommen, seufzt einmal gut sichtbar tief, schließt die Augen – und setzt dann wieder ihr strahlendstes Lächeln auf. Weiter geht´s. Und so wie ich das einschätze, liegen noch mindestens 14 Stunden Feier vor ihr. Good luck! Schließlich dann doch noch der dramatische Auszug, mit Musik unterlegt, draußen die Jubelrufe der Gästeschar – und wir, wir nähern uns endlich dem berühmten Ziborium.

Und ja, es hat sich gelohnt, das Warten – denn das Ziborium (ein auf Säulen ruhender Altaraufbau) über dem Hauptaltar ist aus kunstgeschichtlicher Sicht grandios. Geschaffen wurde es zwischen Anfang und Mitte des 12. Jahrhunderts und, man mag es kaum glauben, es hat all die Jahrhunderte seitdem unbeschadet überstanden, was nicht oft vorkommt. Viel zu sehen gibt es an den Kapitellen: Engel, Löwen, allerlei Pflanzen. Und einmal mehr wünschte ich, ich hätte nicht den Großteil meiner immer in langen fünf Jahren erworbenen Schullatein-Kenntnisse irgendwo in meinem Kopf weggesperrt, aber der Historiker an meiner Seite kann aushelfen und übersetzen, was auf dem umlaufenden Architravbalken geschrieben ist: „Diese himmelsgleiche Burg – tritt ein, guter Diener im Glauben, und bete für dich und das Volk demütig zum Herrn“, so lautet die Nachricht an den Priester, der die Messe hält. Und bevor wir uns davon trennen, werfen wir noch einen Blick auf das besonders schöne doppelstöckige Dach, wiederum getragen von (insgesamt 42) zarten Säulen.

Genug Zeit hatten wir während der Hochzeitszeremonie auch, um unsere Köpfe in den Nacken zu legen und ausgiebig die beeindruckende mit Barockgemälden gestaltete Decke und die drei Stützbögen, die sich gleichsam über das Hauptschiff spannen, zu betrachten.

Wuchtig steht die dreischiffige Basilika nahe dem Meer und dem Hafen. Ursprünglich war sie noch näher am Wasser gelegen (wie die Kathedrale von Trani), lediglich eine Seemauer hatte sie vom Meer getrennt. Und noch ein Rückblick: Früher war dieser Sakralbau von vier geschlossenen Höfen umgeben; hinein konnte man nur zu besonderen Anlässen wie etwa Märkten oder religiösen Feierlichkeiten. Heute sind noch drei dieser Höfe zu erkennen, wobei der nördlich gelegene Hof zum Meer offen ist. Wir verlassen die Kirche durch das Hauptportal, dessen Säulen nicht – wie zumeist üblich – von Löwen, sondern von Stieren getragen werden, und spazieren weiter zur Nordseite der Basilika: Hier findet man die schöne Porta dei Leoni (Löwenportal), mit der Darstellung einer Kampfszene im Bogenrelief. Steht man vor der Ostfassade, sollte man jedenfalls einen Blick hinauf werfen: Denn aus dieser ragt das große, dreifach abgestufte "Elefantenfenster" der zentralen Apsis heraus. Seinen Namen hat das Fenster von jenen Elefanten, die hier die Säulen und die darauf hockenden Fabeltiere tragen. 

Jetzt braucht es aber dringend eine kühle Erfrischung – und die finden wir bei Martinucci Laboratory an der Piazza Mercantile, dem alten Marktplatz. Wobei Martinucci eigentlich auf süße Köstlichkeiten aller Art spezialisiert und dafür definitiv eine apulische Institution ist: 1950 gegründet, gibt es mittlerweile mehr als 28 Martinucci-Niederlassungen. Hungrig sollte man hier nicht einfallen und schon gar nicht unterzuckert, denn das könnte ziemlich kalorienreich enden. Zu groß, zu verführerisch, zu süß, zu unwiderstehlich die Auswahl. Die Kultur und die Exzellenz der Region Salento will man mit seinen süßen Kreationen feiern und das gelingt offensichtlich gut.

Viele besuchen in Bari auch die Strada delle Orecchiette (Via Arco Basso und Via Arco Alto), wo Bewohner:innen der Stadt, die sogenannten „pastaie“, an Klapptischen mit Plastikdecken vor ihren Wohnungen sitzen und zeigen, wie die apulische Pasta-Spezialität (Pasta in Form von kleinen „Öhrchen“ oder auch Muscheln) hergestellt wird. Mittlerweile ist darum allerdings ein gröberer Konflikt entbrannt, unter anderem steht laut Behörden der Verdacht im Raum, dass da mitunter auch industriell produzierte Ware feilgeboten wird oder keine Verkaufslizenzen vorliegen. Die pastaie selbst waren nicht amused angesichts der Orecchiette-Razzia (Ende August 2025) – wie man in Medien lesen konnte. Ob da auch so manches Nudelholz geschwungen wurde? Nun ja, ich war nicht dabei. Es bleibt also spannend, wie es mit den pastaie, die es zu einiger Berühmtheit gebracht haben, und Bari weitergeht. 

Wer mehr Zeit mitgebracht hat als wir, der flaniert vielleicht auch noch auf der alten Stadtmauer oder genießt bei Sonnenuntergang den alten Hafen. Uns aber ruft bereits das etwas weiter nördlich gelegene Hafenstädtchen Trani. Und so tauchen wir noch einmal in das enge Gassengewirr Baris ein und lassen uns ein wenig treiben, bevor es zurück zu unserem Auto geht. Was mir dabei auffällt: Hier gibt es nicht so viele kitschige Souvenirläden wie in anderen apulischen Städtchen, glücklicherweise. Möge es so bleiben…

****

Von Bari geht es entlang der Costa di Bari weiter nach Trani, wo die Kathedrale von Trani mit ihrer Lage unmittelbar am Meer und ihrer Normannen-Architektur fasziniert.

Unsere Apulienreise startete im Salento, hier geht es zu Teil 1 des Salento-Reiseberichts: Wir besuchen die Hafenstadt Otranto, an der Ostküste Apuliens gelegen, und das Städtchen Galatina im Herzen des Salento. Wer im Salento eine tolle Ferien-Wohnadresse sucht, der findet sie in Corigliano d`Otranto, im Palazzo Marconi mit seinen zwei wunderschön renovierten Ferienwohnungen. 

In Teil 2 des Salento-Berichts machen wir Stopp im pittoresk gelegenen Gallipoli, auf einer Halbinsel am Ionischen Meer, am Golf von Tarent, gelegen. 

 

Diese Apulienreise erfolgte auf eigene Kosten. Meine Empfehlungen sind daher unbeeinflusst und kommen von Herzen!