• Udines schönster Aussichtspunkt: Das Castello
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Das Castello thront oberhalb des Stadtzentrums von Udine und von unten aus besehen
ahnt man gar nicht, wie weitläufig das Areal auf dem Burghügel und wie schön der Ausblick von da oben ist.
Und darüber hinaus beherbergt das äußerlich recht nüchtern anmutende Schloss mit Tiepolo & Co
auch noch veritable Kunstschätze…

Man würde es nicht ahnen, aber der 30 Meter hohe Burghügel wurde zur Gänze künstlich aufgeschüttet, so geschehen zwischen 1400 und 1300 v. Chr. und damit der größte in prähistorischer Zeit aufgeschüttete Hügel Europas. Nicht alle Wege, aber zumindest zwei Wege führen zum Castello auf dem Burghügel: Nämlich in Serpentinen von der Piazza I Maggio oder etwas steiler, aber dafür schneller, von der Loggia di San Giovanni aus zu erreichen. Wir entscheiden uns für zweiteres, und nehmen durch den Arco Bollani den Anstieg zum Schloss in Angriff: Schnell hat man es im Sichtfeld und auf den ersten Blick wirkt es äußerlich recht nüchtern. Vor dem 1517 begonnenen Bau war hier auch schon eine Festung gestanden, nämlich jene des Patriarchen von Aquileia, die allerdings bei dem verheerenden Erdbeben von 1511 zerstört worden war. Für das neue Schloss gab es ursprünglich große Pläne: Eine vierflügelige Anlage hatte der venezianische Architekt, mit dem klingenden Namen Giovanni Fontana, geplant, aber dazu kam es dann nicht – letztendlich wurde dann nur einer der vier Schlossflügel realisiert. 30 Jahre später durfte ein neuer Architekt, wieder mit dem Vornamen Giovanni (da Udine) ans Werk, stockte das Schloss um ein weiteres Stockwerk auf und verpasste der Rückseite des Castello eine Eingangstreppe – und was für eine: Nämlich eine monumentale, symmetrisch angelegte Freitreppe mit gegenläufigen Seitenläufen. Beeindruckend!

Aber hier sind wir noch nicht, denn eigentlich schnaufen wir vor der Vorderseite des Castello angekommen erst mal durch und genießen den Blick auf den süd- bis südwestlichen Teil der Stadt, über die Dächer der Altstadt bis hinaus in die friaulische Ebene.

Und dann geht es auch schon hinein in die Musei Civici, wo es mehrere Abteilungen gibt: Das Museo Archeologico im Erd- und Untergeschoss – obwohl sicherlich sehr interessant mit vor- und frühgeschichtlichen Funden und einer Keramiksammlung – sowie das Museum des Risorgimento lassen wir aus, und steigen gleich hinauf in die Beletage, zur Galleria d`Arte Antica, in der wertvolle Werke des 14. bis 19. Jahrhunderts, darunter Gemälde von Carpaccio, Caravaggio und Tiepolo, gezeigt werden. Besonders beeindruckend finde ich hier das große Gemälde „Letztes Abendmahl“ von Pellegrino da San Daniele (1519) in Raum Nr. 4. Das wahre Highlight dieser Sammlung wartet jedoch – nachdem man den großen Saal (Sala del Parlamento) durchquert hat – in Raum Nr. 10: Nämlich ein Werk des bedeutenden venezianischen Malers des ausklingenden Barocks und des Rokokos, Giovanna Battista Tiepolo, und zwar „Consilium in Arena“, das im Auftrag des Patriarchen Daniele Dolfin erstellt wurde. Auf dem Gemälde sieht man Antonio Montegnacco, der vor dem großen Rat des Malteserordens erschienen ist, um die Aufnahme eines Udineser Adeligen in den Orden zu erreichen.

Ein Stopp lohnt sich auch im großen Saal, der Sala del Parlamento; dieser war während der venezianischen Herrschaft der Tagungsort des Parlaments, daher der Name. Was man hier an den Wänden und der Decke sind, glorifiziert die Republik Venezia, aber auch Udine und das Friaul. Unter anderem sind hier christliche und weltliche Tugenden dargestellt, die quasi ein Appell an die Abgeordneten sind, die sich hier einmal jährlich zusammenfanden, sich ihrer Verantwortung und moralischen Verpflichtung bewusst zu sein. Es lohnt sich hier ein bisschen länger zu bleiben und die Augen über die zahlreichen Darstellungen wandern zu lassen. Tiepolo durfte sich hier übrigens auch verewigen: In den 1720er Jahren gestaltete er einige Szenen an den Schmalseiten des Saals neu. Ein Stockwerk höher, im 3. Stock, wartet dann auch noch das Fotografie-Museum, mit einer Sammlung von Fotos aus dem Friaul aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Weitere Sammlungen – wie z.B. die Münzsammlung, die Galerie für Zeichnungen und Drucke und die Gipsfigurensammlung – sind nur gegen Voranmeldung zu besichtigen. Darüber hinaus gibt es im Schloss zwei weitere wichtige kulturelle Einrichtungen, die öffentlich zugänglich sind: die Kunstbibliothek mit über 4.500 Bänden und etwa 350 Zeitschriften und die Fotothek mit mehr als 180.000 Fotos, Negativen und Original-Fotoplatten.

Wer das Castello verlässt und sich auf den Weg zur Piazzale di Castello an der Rückseite des Schlosses macht, der kommt auch an der Kirche Santa Maria di Castello mit dem hübschen Campanile vorbei, der ältesten Kirchengründung Udines, war hier doch bereits im 6. Jahrhundert eine christliche Kapelle gestanden. Umgebaut wurde diese schließlich von den Langobarden im 8. Jahrhundert, im 12. und 13. Jahrhundert wurde sie erweitert. Dann wurde der Dom im Zentrum Udines errichtet und damit wurde Santa Maria di Castello als Stadtpfarrkirche abgelöst.

Durch einen Bogen, der eigentlich in der Unterstadt errichtet worden war und später hier hinaufgebracht wurde, erreichen wir den weitläufigen Schlossplatz. Was man hier heute nicht mehr erahnen würde: Dieser Platz war im Mittelalter das Zentrum des alten Udine und hier stand so einiges an Gebäuden – und zwar gleich drei Kirchen, zwei Palazzi des Patriarchen und zahlreiche Wohngebäude. In letzteren wohnten neben den Palastbediensteten auch Bewohner:innen, die über ein sogenanntes „feodo d´abitanza“ verfügten, eine Art „Wohn-Lehen“, das es ihnen erlaubte hier, innerhalb der Mauern, ein Haus zu errichten. Heute sieht man davon nichts mehr.

Was interessant ist: Einerseits beseitigte man hier oben historisch erhaltene Bausubstanz, gleichzeitig wurden – z. B. mit der Casa della Contadinanza – alte Gebäude(teile) aus der Stadt hier heraufgebracht. Die Casa della Contadinanza stand ursprünglich in der Unterstadt, Ende der 1920er Jahre wurde sie auf dem Schlosshügel wieder aufgebaut. Alles blieb dabei jedoch nicht beim Alten: Ursprünglich hatte sie drei Stockwerke, heute nur mehr zwei. Neben originalen Elementen findet man in dem Gebäude heute z. B. Fresken aus unterschiedlichen Häusern Udines. Heute befindet sich darin ein beliebtes Restaurant.

Das Hügelplateau bietet auch von der Piazzale di Castello einen wunderbaren Ausblick und eigentlich fast einen Rundumblick, bei klarer Sicht sogar bis zu den Julischen bzw. Karnischen Alpen. Am besten spaziert man von der Casa della Contadinanza beginnend an der Mauer entlang, um alle Perspektiven auf Stadt und Umland zu genießen.

Wir nehmen schließlich am Ende der Mauer die Treppen, die von der Hinterseite des Schlosses (rechter Hand) zur Vorderseite des Schlosses zurückführen. Im Frühling ein besonderes Vergnügen, denn neben den Treppen blüht und wuchert so manches und man taucht förmlich in eine zarte Duftwolke ein. Unten angekommen, hat man vom Treppenansatz noch einmal einen wunderschönen Blick auf die Loggia del Lionello.

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Wie immer ist dieser Blog-Beitrag unbeauftragt und daher auch unbezahlt entstanden. Dafür ist hier umso mehr Arbeit und Herzblut hineingeflossen...