• Isola Bella, barocke Gartenkunst im Lago Maggiore (I)
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August 2026

Ich liebe Gartenkunst, Seen sowieso und Italien ganz besonders. Gärten auf Inseln in oberitalienischen Seen –
eigentlich also die ideale Destination für mich. So gesehen sonderbar, dass ich bis jetzt noch nie dort war: auf den Borromäischen Inseln im Lago Maggiore im Norden Italiens. Aber das wurde nun endlich nachgeholt…

An den Lago Maggiore hatten wir es vor Jahren schon mal geschafft, immerhin. Damals war es ein Ausflug vom nahen Lago d´Orta nach Stresa, am Westufer des Lago Maggiore gelegen. Aber, es waren uns dann doch schnell zu viele Menschen in diesem relativ kleinen Ort, zu viele Souvenirshops, zuviel Tourismus generell. Und so verzichteten wir auch auf eine Bootsfahrt zu den Borromäischen Inseln und flüchteten schnell wieder in unser kleines Paradies, ins beschauliche Orta San Giulio am Lago d`Orta, hinter dem Monte Mottarone (rund 1500 Meter hoch) gelegen, der gleichsam eine natürliche Trennlinie zwischen den beiden Seen ist.

Dieses Mal zieht es uns von Mailand aus an den Lago Maggiore: Ende August hat sich Mailand noch mal so richtig aufgeheizt und meine Nichte und ich schleppen uns in den Straßenschluchten dahin. Schnell steht fest: Für einen Tag verabschieden wir uns an den nahen Lago Maggiore – mit der Bahn vom Mailänder Bahnhof aus in rund 1,25 h bequem erreichbar. Wobei, ganz so smooth hat es dann doch nicht geklappt, in Arona mussten wir raus aus dem Zug (Gleisarbeiten) und per Schienenersatzverkehr nach Stresa weiterfahren. Was gar nicht so schlecht war, wie sich dann herausgestellt hat, denn der Bus zog nahe dem Ufer auf den kurvigen Straßen dahin, mit bestem Ausblick: Links, an den Hügeln großartig renovierte Villen mit wohl herrlichem Blick auf See und Berge und dazwischen auch so einige Bastlerhits, rechts von uns der durch Bäume durchblitzende blaue See. Ein verwaschenes, Sehnsucht erweckendes, verschwommenes, flirrendes Blau. Schau, sage ich dann zu meiner Nichte – da hüpfen wir rein, nachdem wir auf den Inseln waren.

Und dann also erst mal wieder Stresa, das sich dieses Mal aber noch recht ruhig präsentiert. Es ist früher Vormittag, ein paar Touristi:nnen schlendern entspannt durch die Gassen. Auch wir tun das, denn unser Boot zur Isola Bella legt erst in einer Stunde ab. Zeit genug, um sich ein wenig durch die Gassen treiben zu lassen, zwischen Restaurants und Souvenirshops. So richtig warm werde ich mit Stresa auch dieses Mal nicht, auch wenn im Ortskern immer wieder durchaus hübsche Ecken durchblitzen. 

Dass Stresa einst als einer der luxuriösesten Kurorte Italiens galt, ist an der Seepromenade nicht zu übersehen: Hier reihen sich Grand Hotels aus der Belle Époque aneinander, dazwischen schöne Gärten mit üppiger Vegetation, Palmen und farbenprächtigen Beeten. Und immer dieser wunderschöne Ausblick auf den See und die Inseln. Gerne hätte ich jetzt etwas mehr Zeit, um z. B. in der Marconi Beach Bar am Ufer ein Getränk und den Ausblick zu genießen.

Aber die Isola Bella ruft: Für sie haben wir uns entschieden – lieber eine ordentlich ansehen, als gestresst von Insel zu Insel zu hüpfen. Insgesamt umfassen die Borromäischen Inseln eine Gruppe von fünf Binneninseln (vier bewohnte Inseln und die winzige unbewohnte Insel Scoglio della Malghera), die sich allesamt im italienischen Teil des Lago Maggiore befinden und im Golf von Verbania, zwischen Verbania im Norden und Stresa im Süden des Sees, liegen. Der namensgebenden Adelsfamilie Borromeo gehören heute noch die Isola Bella und die Isola Madre. Die größte der Inseln ist die Isola Madre und berühmt für ihre Gärten, die im englischen Stil angelegt wurden. Wir entscheiden uns für die Isola Bella, die zweitgrößte Insel – auf der einst der Palazzo Borromeo und ein italienischer Barockgarten errichtet wurden.

320 Meter lang, 180 Meter breit und nur rund 400 Meter von Stresa entfernt: Es ist eine recht kurze Überfahrt hinüber zur „schönen Insel“, die im Nordwesten mit dem Palazzo Borromeo bebaut ist. Im Südosten des Palazzo schließen sich die Gartenanlagen des Palastes an – und diese lassen sich auch ausschließlich durch den Palazzo betreten (mit einem Kombi-Ticket).

Und so kam die Insel zu ihrem Namen: Carlo III. Borromeo ließ den Felsen planieren und auf der Insel einen Sommerpalast für seine Frau, Isabella D`Adda, die diese Insel als Mitgift erhalten hatte, errichten. Isola Isabella wurde die Insel zunächst benannt, später Isola Bella. Unter Vitaliano VI. Borromeo wurde der Palast weiter ausgebaut. Es muss jedenfalls ein ziemlicher Kraftakt gewesen sein, die Insel zu dem zu machen, was sie heute ist: Aus einem kargen, unfruchtbaren Felsen in einem See eine solch üppige Gartenanlage zu schaffen. Die Borromeos ließen jedenfalls große Mengen Erde auf die Insel schaffen, denn nur so konnte man dort einen Barockgarten in zehn Terrassen und damit ein wahres Meisterwerk italienischer Gartenbaukunst errichten. Ein Projekt blieb jedoch nur Fantasie: der geplante große Hafen am Nordende der Insel. Von dort hat man heute einen wunderschönen Blick auf die Isola dei Pescatori (die Insel der Fischer), dazwischen ragt ganz klein Scoglio della Malghera heraus.

Wer die Gartenanlage besichtigen will, muss also erst einmal durch den Palazzo Borromeo. Bitte nicht den Palast besichtigen, fleht dann meine Teenager-Nichte, lass uns doch gleich in den Garten gehen. Und weil ich meiner Nichte (fast) nichts abschlagen kann, erkundige ich mich bei einer der Museums-Mitarbeiter:innen. Gleich direkt in den Garten gehen, das ist möglich, auch wenn die Dame nicht sehr amused ist: „Sie können dann aber nicht mehr herein, wenn sie erst mal draußen sind“, ermahnt sie uns. Und wir nicken artig: Grazie, non vogliamo tornare qui dentro – wir wollen eh nicht wieder rein. Und so geht es also nur durch zwei Säle, die mich die Pracht erahnen lassen, mit der sich die Borromeos hier umgeben haben, und dann noch durch eine Galerie flämischer Wandteppiche aus dem 16. Jahrhundert (Galleria degli Arazzi), aufwendig aus Seide und mit Goldfäden gearbeitet. Was man auf diesen prunkvollen Tapisserien immer wieder erkennt: Das Einhorn, das Wappentier der Borromäer. (Was wir im Palazzo versäumen: Das Untergeschoss in „Grottenarchitektur“ mit Muschelverzierungen, ein prächtiges Treppenhaus, den Raum der Medaillen, das prächtige napoleonische Zimmer, wo Napoleon eine Nacht verbracht hatte, den großen, drei Stockwerke umfassenden Kuppelsaal, Salons mit Ausblicken auf den See, Gemälde berühmter Künstler, und einiges mehr. Schade.)

Dann stehen wir draußen, in der Augusthitze, in einem kleinen Innenhof, dem Atrio di Diana, und staunen erst einmal: Schon der Aufgang zu den Gärten ist herrschaftlich-beeindruckend. Durch die flirrende Sommerhitze steigen wir über eine der beiden Treppen hinauf zur nächsten Ebene. Und da erblickt man schon das beeindruckende Teatro Massimo im Zentrum der Gartenanlage. Fast ein bisschen verwunschen steht es da, im gleißenden Mittagslicht. Ein Amphitheater, das aus zehn, pyramidenförmig angeordneten, blühenden Terrassen besteht. Das Auge ist hier sehr gefordert: Statuen, Springbrunnen, Pflanzen, spannende architektonische Perspektiven. Es gibt viel zu sehen. Und über allem thront, wie schon zuvor erwähnt das Wappentier der Familie Borromeo, ein Einhorn, auf dem, wie ich beim Nachlesen erfahre, die Ehre reitet, begleitet von Figuren, die Kunst und Natur darstellen. Ah ja.

Wir steigen seitlich am Amphietheater die Treppen durch die Mittagshitze hinauf zu einer großen Terrasse: 37 Meter über dem See liegt sie und bietet einen  großartigen Rundum-Ausblick. Erst mal alle Seiten abschreiten und den Ausblick genießen. Ach, entfährt mir ein tiefer Seufzer, hier würde ich es auch länger aushalten. Und ernte dafür einen verständnisvollen Blick meiner Nichte. Ob Napoleon Bonaparte, der mit seiner Joséphine zwei Nächte als Gast der Borromeos verbracht haben soll, auch hier oben gestanden und mit seiner Liebsten im Arm einen lauen Sommerabend genossen hat? Aber nein, vermutlich hatte er dafür keinen Sinn...

Noch etwas kann man von hier oben sehr gut erkennen: den Giardino d`Amore (Garten der Liebe). In der Mitte ein Seerosenteich, darum herum vier Beete, die von Buchsbaumhecken gesäumt sind. Perfekte italienische Barockgartenkunst, zumindest in meinen Augen. Aber vielleicht hat sich in diesen Anblick auch die Princess of Wales, Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel, spätere Königin Caroline von England, Irland und Hannover (Frau von Georg IV.), verliebt, denn sie soll – so erzählt es zumindest eine Anekdote – alles versucht haben, um die Borromäer zum Verkauf der benachbarten Isola Madre zu bewegen. Vergeblich, wie man heute weiß. Aber ja, ich kann sie verstehen. 

Hier geht der Spaziergang über die Isola Bella weiter. 

Wer jetzt Lust auf oberitalienische Seen bekommen hat: 

Der Comer See ist immer einen Ausflug wert. 

Mein absoluter Liebling unter den oberitalienischen Seen: Der etwas abseits (im nördlichen Piemont) gelegene Lago d`Orta, umgeben von Bergen und Wäldern. 

Der guten Ordnung halber erwähnt: Auch dieser Beitrag ist unbeauftragt und unbezahlt entstanden und vielmehr eine persönliche Empfehlung von Herzen.