Wer nach Trani an der Costa di Bari kommt, der hat wohl von der „Königin der Kathedralen"
gehört, die hier beeindruckend und in unmittelbarer Nähe zum Meer thront. So auch wir. Aber: Die hübsche Hafenstadt Trani ist auch darüberhinaus jedenfalls einen ausgedehnten Spaziergang wert...
Die Hafenstadt Trani, rund 50 Kilometer nördlich von Bari gelegen und mit rund 50.000 Einwohner:innen um einiges kleiner als Bari, bietet gleich zwei kulturhistorische Highlights in allernächster Nähe zueinander: Steigt man beim Parcheggio Piazza Castello aus dem Auto, liegt linker Hand das trutzige Castello Normanno Svevo, rechter Hand die beeindruckende Kathedrale San Nicola Pellegrino, errichtet aus Trani-Stein, einem auffallend hellen Stein, der in der Gegend um Trani bis heute abgebaut wird, und die Kathedrale im harten Mittagslicht geradezu strahlen lässt. Eines haben Kathedrale und Castello jedenfalls gemeinsam: Die spektakuläre Lage direkt am Meer.
Geradezu majestätisch thront die Kathedrale an der weitläufigen Piazza Duomo, und dass sie oft „Königin der Kathedralen“ genannt wird, das überrascht mich nicht. Vieles an ihr erscheint majestätisch und vor allem ungewöhnlich: Ungewöhnlich schön ist ihre exponierte, den Platz beherrschende Lage, ungewöhnlich der Zugang in die Kathedrale über die Unterkirche, ungewöhnlich die großzügige Freitreppe, ungewöhnlich der Burg-artige Anblick, wenn man die Kathedrale an ihrer Rückseite vom Meer her betrachtet.
Aber jetzt geht es erst mal in die Unterkirche, die ehemalige Kirche Santa Maria della Scala, über der die heutige Kathedrale errichtet wurde. Wer sich ein wenig mit der Geschichte der heutigen Kathedrale beschäftigt, wird auf eine spannende Legende stoßen, in deren Mittelpunkt – der Name der Kathedrale lässt es schon erahnen – der hl. Nikolaus stand. Dessen Gebeine waren ins nahe Bari gebracht worden und ruhen bis heute in der Kathedrale San Nicolo. Trani ging damals leer aus, aber wie so oft im Leben gab es auch hier eine zweite Chance – und zwar im Jahr 1094 als ein griechischer Pilger namens Nikolaus nach Trani kam, ein Kreuz geschultert. Auf der Treppe zur Kirche Santa Maria della Scala soll er zusammengebrochen sein und wurde nur drei Jahre später von Papst Urban II. heiliggesprochen. Der Erzbischof von Trani witterte seine Chance und nahm sofort den Bau der Kathedrale San Nicola Pellegrino oberhalb der bestehenden Kirche in Angriff, um San Nicolo Pellegrino würdig zu bestatten, und, ganz banal gesprochen, künftig, wie auch Bari, vom damaligen Pilger-Tourismus zu profitieren. Noch beeindruckender als die Kathedrale San Nicolo in Bari sollte diese Kathedrale, unmittelbar am Meer gelegen, werden – und in vielerlei Hinsicht scheint das auch gelungen.
Wir steigen von der Unterkirche, in der zwei Reihen mit insgesamt 28 Säulen für eine beeindruckende Raumwirkung sorgen und wo die Gebeine des hl. Pilgers Nikolaus in einem silbernen Schrein unter dem Altar aufbewahrt sind, in den Innenraum der Kathedrale hinauf: Licht und Weite dominieren hier. Heute wirkt das Kircheninnere geradezu nackt, einst war das anders: Unzählige bunte Fresken zierten die Wände, ein Mosaik den Boden. Heutzutage erahnt man dies nur mehr anhand von Mosaikresten im Chor-Bereich.
Nicht übersehen kann man die mächtige, zweiflügelige Bronzetür, die sich, im 12. Jahrhundert geschaffen, ursprünglich im reich verzierten Portal der Kirche befunden hatte und nun seit ihrer Restaurierung (1999) im Kircheninneren aufbewahrt wird. Der Bildhauer Barisano di Trani hat die auf der Türe dargestellten Figuren als erster in Süditalien in der damals innovativen Relieftechnik ausgeführt. 2 x 16 Bildplatten wurden an der Holzplatte befestigt, insgesamt wiegt die Tür rund 2,5 Tonnen. Barisano hat sich übrigens auch selbst verewigt in einer der Bildplatten: als kleiner, betender Mönch neben dem hl. Nikolaus.
Und dann verlassen wir die die Kathedrale so, wie wir sie auch betreten hatten, durch die Unterkirche, um dann schlussendlich auch noch über die Freitreppe hinaufzusteigen, zum Kirchenportal, das aus der Entfernung beeindruckt – und noch viel mehr aus der Nähe. Menschen, Pflanzen, Tiere, orientalisch anmutende Muster, es gibt hier viel zu entdecken für das Auge. Über all dem die schöne 16teilige Fensterrose, die von sechs Tierfiguren auf Konsolen umringt wird. Und dann erst der Ausblick auf das Meer, den man von hier hat. Zwei Frauen streben über die weitläufige Piazza Duomo Richtung Meer, mit Campingstühlen unter den Armen, über ihnen die brütende Hitze des frühen Nachmittags, vor ihnen das endlose Blau der Adria. Habe ich eigentlich Badesachen im Auto, überlege ich kurz, aber nein, heute nicht, schade.
Über die Freitreppe hinunter, halten wir uns links und spazieren durch den Tordurchbruch des angebauten, knapp 60 Meter hohen, schlanken und sehr elegant wirkenden Campanile Richtung Meer. Ein Blick hinauf zu einer schönen Rosette. Und dann, ausgerechnet von der Rückseite der Kathedrale, dem Platz dahinter, beeindruckt mich die diese am allermeisten: Wie eine Burg, trutzig, mächtig, wie ein Bollwerk gegen alles, was da vom Meer her drohen könnte, präsentiert sich die Kirche aus dieser Perspektive.
Schön ist er, der Hafen von Trani, der immer schon das lebendige Zentrum der Stadt war. Bereits in der Antike diente er als bedeutender Umschlagplatz und als Treffpunkt für Seefahrer aus aller Welt. Heute schaukeln hier farbige Fischkutter neben eleganten Yachten und Segelbooten im Hafenbecken vor sich hin. Am Ufer reihen sich Bars und Cafès an Restaurants, der Hafen ist, besonders abends, eine beliebte Flaniermeile. In der Hitze des frühen Nachmittags haben sich allerdings die meisten in die Kühle ihrer Häuser verzogen.
Wir lassen uns noch ein wenig durch die Altstadt treiben, auch diese ist an diesem heißen Juni-Nachmittag fast wie ausgestorben. Nachvollziehbar, denken wir uns, und wischen uns den Schweiß von der Stirn. Hübsche Gassen, schöne, helle Stein-Fassaden, bunte Tore, da und dort eine müde gähnende Katze im Schatten der Hausmauer. Wir kommen an der Chiesa d`Ognissanti vorbei, dem so genannten Templerhospiz, das Mitte des 13. Jahrhunderts vom Orden der Templer errrichtet worden sein soll – Betonung auf "soll", denn endgültig bewiesen werden konnte es nicht, liest man. Wir linsen durch den Eingang mit Vorhalle, aber leider ist der Eingang durch ein Gitter blockiert. Im Reiseführer lesen wir, dass die kleine, aber sehenswerte Kirche nur selten geöffnet sein soll, unser Eindruck ist aber eher, dass sie gar nicht mehr besucht werden kann.
Von der Hitze getrieben suchen wir dann nach einem Cafè, das auch geöffnet ist und werden schließlich doch noch fündig. Hübsch ist Trani, das steht fest, und es gäbe noch einiges zu sehen, wie z. B. Kloster und Kirche S. Maria di Colonna, gelegen auf dem Capo Colonna, etwa 2 km entfernt vom Stadtzentrum. Oder die Kirche San Domenico, am Stadtpark gelegen, in der sich schöne Grabmäler von Adelsfamilien aus Trani, wie z. B. der Filangeri, Antonacci und Palumbo, befinden. Und deren Besuch könnte man auch gleich mit einem Spaziergang durch den Stadtpark der Villa Communale, an der südlichen Seite des Hafens gelegen, abrunden: Denn hier soll es schöne Alleen, Brunnen und Wasserspiele, aber auch zahlreiche sehenswerte Denkmäler und Skulpturen geben. Aber heute, heute ist es einfach zu heiß dafür...
Am Weg zurück zu unserem Auto geraten wir dann doch noch mal in Versuchung: Vielleicht doch noch die Fotografie-Ausstellung im Palazzo delle Arti Beltrani besuchen? Denn hier gibt es "Storie di Puglia" (Geschichten aus Apulien) aus dem Archiv des bekannten italienischen Fotografen Gianni Berengo Gardin zu sehen. Er begann als Fotoreporter für die Zeitschrift Il Mondo seine Karriere, und arbeitete dann u. a. für Magazine und Zeitschriften wie L`Espresso, Time, Stern oder Le Figaro. Seine Werke waren u. a. im MOMA New York, im George Eastman House in Rochester (NY) oder in der Bibliothèque nationale de France in Paris zu sehen. Kurz bin ich sehr versucht, aber dann gewinnt dochh die Aussicht auf einen Sprung ins kühle Nass in der Villa Pesce, in der wir für ein paar Tage unsere Zelte aufgeschlagen haben. Ciao Trani, du bist definitiv einen zweiten Besuch wert! Und unsere Reise entlang der Costa di Bari geht weiter: Nächste Station ist das schöne Barletta.
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Ein weiteres Highlight an der Costa di Bari: Das schöne Hafenstädtchen Barletta mit seinem berühmten Koloss von Barletta.
Unser erster Stopp an der Costa di Bari war Apuliens Hauptstadt Bari. Große Empfehlung!
Weiter südlich wartet der Salento auf Apulien-Begeisterte: Ob Otranto und Galatina, Gallipoli oder Lecce – für den Salento sollte man genügend Zeit einplanen, um Städte und Meer gleichermaßen genießen zu können.
Die perfekte Ferien-Wohnadresse dafür ist der wunderschöne Palazzo Marconi im beschaulichen Corigliano d`Otranto.