• Casa Farbenspiel
    Triest I Italien

Manchmal beginnt eine Reise sehr lange bevor man den Koffer packt. In meinem Fall mit einem Bild auf Instagram: sattes Yves-Klein-Blau gepaart mit anderen kräftigen Farben, markante Streifen und ganz allgemein ein Apartment, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Aus einem ersten „Hallo“ entwickelte sich mit Daniela, der Gastgeberin der Casa Farbenspiel, ein inspirierender Austausch über Kultur, das Reisen, Italien und Triest im speziellen und unsere gemeinsamen kreativen Leidenschaften, von Nähen bis Keramik. Als ich dann schließlich tatsächlich in Triest die Casa Farbenspiel betrete, ist sofort klar: Genau diese Kreativität steckt in vielen Details. Das Apartment ist weit mehr als nur eine schöne Unterkunft – es erzählt eine Geschichte. Und genau dort beginnt auch diese.

Nämlich in San Vito, einem der schönsten Stadtviertel Triests, auf einem der Hügel Triests, aber ganz nahe am Stadtzentrum gelegen. Von der Via di Cavana im lebhaften Cavana-Viertel spaziere ich also hinauf in die Via San Daniele im sogenannten Armenischen Viertel, zur Casa Farbenspiel. Daniela, die dieses Apartment augenscheinlich mit soviel Gespür und Liebe gestaltet hat, habe ich am Vorabend endlich persönlich kennengelernt, bei einem wunderbaren Aperitivo, in einer der besten Bars Triests. Aber jetzt ist auch die Casa Farbenspiel dran…

Das sogenannte Armenische Viertel in Triest verdankt seinen Namen übrigens nicht einem großen armenischen Stadtteil, sondern der historischen Präsenz einer kleinen, aber wirtschaftlich bedeutenden armenischen Gemeinschaft. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Triest unter der Herrschaft der Habsburger zu einem bedeutenden Freihafen und zog Kaufleute aus ganz Europa und dem östlichen Mittelmeerraum an – darunter eben auch Armenier. Armenische Händler waren für ihre weitreichenden Handelsnetzwerke bekannt und trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt bei. Ab 1846 siedelten sich rund um die Via Giustinelli armenische Familien und Kaufleute an. Heute ist dieser Stadtteil längst Teil des lebendigen Zentrums von Triest, doch sein Name verweist auf die kosmopolitische Vergangenheit der Stadt – einer Hafenmetropole, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenlebten und Handel trieben.

Stichwort kosmopolitisch, das passt auch auf die Gastgeberin Daniela. Mit deutschen Wurzeln in Belgien geboren hat sie dann eine Zeit lang in Deutschland gelebt, ist aber seit langem in Triest wohnhaft und war zwischendurch auch einige Jahre lang in Hongkong zu Hause. Apropos Hongkong, die Hängelampe über dem Esstisch, in die mich sofort ein wenig verliebe, hat sie von genau dort mitgebracht, vor vielen Jahren. Und nun macht sie ihren Gästen in Triest Freude.

Ich stehe also schon mittendrin in Danielas 52 Quadratmeter großen Apartment: Man betritt es ebenerdig, um dann durch einen hübschen Vorraum ein paar Stufen hinauf zu steigen in den großzügig geschnittenen Apartment-Raum mit den eleganten Fliesen im Terrazzo-Stil. Hier findet man eine vollständig ausgestattete kleine Küche, einen feschen Esstisch, ein Sofa, ein einladendes Bett. Allzuviel muss ich wohl gar nicht dazu erzählen, die Fotos sprechen ohnehin Bände. Apropos, ich mag intelligente Lösungen: Mittels Vorhanges kann man die Küche auch verschwinden lassen. Geeignet ist das Apartment übrigens für drei Personen (1 Doppelbett plus Schlafsofa).

Was mir auf den ersten Blick gleich auffällt: Die hübschen Details. Die Pölsterbezüge mit den Streifen, die mir auf Instagram ins Auge gestochen waren, das intensive Blau der Möbel. Die schönen Keramik-Etageren im Küchenregal, die Daniela selbst gemacht hat – wir teilen dieses tolle Hobby –, natürlich auch mit Streifen, und Orange darf auch hier seinen Auftritt haben. Genauso wie auf der schönen Schale mit den Visitenkarten auf dem Tisch, ebenfalls ein Werkstück von Daniela. Daneben die kleine Vase – ja, auch diese selbst gemacht – mit der frischen Blume. Ich mag so etwas, es macht Urlaubswohnen gleich soviel persönlicher und individueller und man erfährt irgendwie auch ein bisschen etwas über den/die Gastgeber:in.

Und da gibt es noch mehr liebevolle Details: Ein flauschiger Polster in Form einer Wolke auf dem Bett – ein aufmerksamer, kleiner Willkommensgruß an ein mitreisendes Kind. Ein Schwarz-Weiß-Foto in der Wandnische, von Daniela aufgenommen am Strand im nahen Grado. Ebenfalls in der Wandnische zu finden: Infomaterial wie z. B. die letztaktuellen Ausgaben des Triest-Magazins IES, das ich mir ebenfalls im Tourismusbüro gleich neben der Piazza dell`Unità d`Italia holen wollte, aber das leider schon vergriffen war. Kein Wunder, ist es doch wirklich gut gemacht und gibt einen schönen Einblick in die Stadt, mit Ideen, Orten und Geschichten, die man nicht unbedingt auf den ersten Blick ausmacht. Aber zurück zum Apartment: Ja, es sind dann doch immer die kleinen Details, die das große Ganze ausmachen.

Auch der Blick ins Badezimmer überzeugt mich: großzügig geschnitten, hell, da mit Fenster, und auch hier zieht sich das Einrichtungsdesign durch – hallo Blau, hallo Streifen. Was mir auch auffällt: Schön hell ist es in dem Apartment, obwohl es im Hochparterre liegt, und angenehm kühl, trotz der heißen 34 Grad in den Straßen – und dabei läuft nicht einmal die Klimaanlage (die es hier auch gibt). Umfassend und aufwändig saniert worden sei das Apartment, erzählt Daniela, und das mache sich jetzt eben bezahlt.

Wir verplaudern uns glatt, in der angenehmen Kühle der Casa Farbenspiel an diesem heißen Juni-Vormittag, aber dann muss ich doch weiter. Ich fische mir noch schnell eines der köstlichen italienischen Gelee-Zuckerln, die ich so liebe, aus Danielas Etagere am Esstisch. Die gibt´s dann auch, wenn du mal hier eincheckst, lacht Daniela. Und ja, nicht nur darauf freue ich mich jetzt schon…

Auch noch gut zu wissen: Danielas Casa Farbenspiel liegt nur rund 10 Gehminuten von der zentralen Piazza dell`Unità d`Italia entfernt und somit ist man auch rasch am Meer. Nur 6 Gehminuten sind es zur hübschen Piazza del Barbacan, wo man sich gerne zum Aperitivo trifft. Wer mit der Bahn nach Triest kommt (gerade von Wien aus ist Triest bahntechnisch sehr gut angeschlossen), nimmt am besten den Bus Nr. 30 ab dem Bahnhof und fährt damit 9 Stationen bis zur Via Ciamician (Ecke Via Tigor), von dort sind es nur 100 Meter bis zur Casa Farbenspiel. Wer mit dem Auto anreist, kann in der nahen Privatgarage Parcheggio Garage San Vito (Via Tigor) parken; der Platz muss vorab gebucht werden, Daniela übernimmt die Organisation gerne für ihre Gäste (Park-Kosten pro Nacht ca. 15-18 Euro).

Apropos, von hier oben bietet sich auch ein besonders schöner Ausblick: Wer in der nahen Via Camician steht, kann über die ehemalige Fischhalle hinweg auf das Meer und sogar bis zum Schloss Miramare schauen. Beeindruckend! Und auch ein architektonisches Highlight sollte man hier nicht links liegen lassen: In unmittelbarer Nähe der Casa Farbenspiel steht die Casa Mosco mit ihrer beeindruckenden Fassade, die über und über mit Masken (Grimassen schneidenden Fratzen) verziert ist, im Stile Liberty, was einer italienischen Spielart des Jugendstils entspricht. Besonders imposant ist der zweigeschossige Eingang, in den man jedenfalls einen Blick werfen sollte: Er wird von einer eisernen Brücke durchquert, etwas, was ich so bisher noch nie gesehen habe.

Viele wertvolle Tipps, was man in Triest gesehen haben sollte, auch fernab der ausgetretenen Pfade, gibt es ebenfalls von Daniela – und zwar in diesem Interview, das ich mit ihr für meinen Blog geführt habe. Und noch mehr Triest-Tipps findet man in meiner dreiteiligen Artikel-Serie, ebenfalls hier am Blog zu finden. Auch kulinarisch hat Triest einiges zu bieten, meine persönlichen Empfehlungen gibt es in diesem Blog-Beitrag.

Casa Farbenspiel
www.instagram.com/farbenspiel_trieste

Via San Daniele 5 I 34124 Triest, Italien
E-Mail: casafarbenspiel.trieste@gmail.com

 

Der guten Ordnung halber erwänt: Dieser Beitrag ist rein redaktionell entstanden. Er wurde unabhängig verfasst und weder vergütet noch durch finanzielle Zuwendungen oder sonstige Gegenleistungen beeinflusst.