Ostuni, la città bianca! Schon von weitem leuchtet uns das weiße Häusermeer, das malerisch
auf drei Hügeln liegt, entgegen. Wir sind nach zwei Tagen im Valle d`Itria auf dem Weg in den Süden, nach Otranto – aber zuvor ist ein Stopp in Ostuni ein Muss...
Wir sehen Ostuni das erste Mal, als wir zu Beginn unserer Reise von Brindisi nach Martina Franca fahren: plötzlich liegt die Stadt da in der Ferne, auf den Hügeln, ein Häusermeer, weiß, strahlend, fast ein bisschen erhaben. Schau, Ostuni, sage ich, und dann seufzen wir beide: Schöööön. Nun aber machen wir Ernst und statten Ostuni tatsächlich einen Besuch ab. Und wieder taucht Ostuni plötzlich auf, hinter Olivenhainen. Wir parken das Auto beim Parco Rimembranze und laufen dann hinunter zur Piazza Libertà, wo sich das Rathaus und ein ehemaliges Franziskanerkonvent aus dem 14. Jahrhundert befinden. Unmittelbar dahinter beginnt das Gassengewirr der Altstadt und wir steigen zwischen den weiß getünchten Häusern den steilen Weg hinauf zur Kathedrale Santa Maria Assunta. Die bunte Kuppel der Kathedrale sieht man übrigens am besten von der Piazza Libertà aus: Gold-grün glänzt sie und mutet fast ein bisschen orientalisch an. Aber jetzt stehen wir hier heroben, vor der Kathedrale, die Ende des 15. Jahrhunderts erbaut wurde und bestaunen die großartige spägotische Fassade mit ihrer eleganten, fein gegliederten Rosette, in deren Zentrum die Apostel und Christus dargestellt sind. Auch im Inneren überzeugt uns die Kathedrale, vor allem mit ihrem Deckenfresko im Hauptschiff. Kühl ist es da herinnen und eine angenehme Abwechslung zur Mittagshitze, die einen in den engen Gassen draußen nicht entkommen lässt.
Wir stürzen uns wieder in das Gassenlabyrinth rund um die Kathedrale und lassen uns ein wenig treiben. Und schon stranden wir in einer hübschen kleinen Bar, die ein bisschen versteckt abseits liegt und von der aus wir auch einen grandiosen Ausblick auf das Meer haben. Schatten, kühle Getränke und wir scheinen hier neben einem sympathischen Paar aus Rotterdam, mit dem wir ins Gespräch kommen, die einzigen Touristen zu sein. Hier lässt es sich aushalten...
Aber Ostuni bietet zuviele pittoreske Gassen und Ecken, um hier einfach sitzen zu bleiben und wir ziehen wieder los. Die Gassen werden immer enger, was die Kinder aber nicht darin hindert ausgelassen Fußball zu spielen. Vor den Fenstern trocknen Bikinis, immer wieder huschen Katzen geduckt an uns vorbei. Knalltürkise Türen, dunkelviolette Bougainvillea, hellblaue Fensterläden, üppig wuchernde frisch-grüne Kakteen – die weißen Hausfassaden bieten eine perfekte Bühne für dieses intensive Farbenspiel.
Malerisch ist es auch im Viertel rund um die Via Gaetano Tanzarella Vitale: Üppig blühende Pflanzen, schmale Gassen und Treppen, Concept Stores und zahlreiche hübsche Restaurants und Bars reihen sich hier aneinander. Abends sind diese wohl gut besucht und nun finden wir es doch ein wenig schade, dass wir für Ostuni nur so wenige Stunden und keine Übernachtung eingeplant haben – wir hätten hier wohl auch einen schönen Abend verbracht. Aber jetzt geht es weiter in den Süden, ans Meer: Nur mehr rund eineinhalb Stunden trennen uns von einem Sprung ins kühle, türkise Nass...
Weiter geht es nach Otranto im Salento, dem Stiefelabsatz Italiens.
Update 2025: Ciao Ostuni, ich bin wieder da...
Auf unserer Reise durch den Salento und entlang der Costa di Bari (im Juni 2025) gibt es auch ein Wiedersehen mit der weißen Stadt. Weiß ist sie immer noch, und zwar so richtig weiß vor einem fast wolkenlosen Himmelblau. Beruhigend, denke ich mir, manche Dinge ändern sich eben nie. Aber: Auch wenn man es auf den folgenden Fotos nicht erahnen würde, die Stadt ist noch mehr zum Touristen-Hotspot geworden. Wir sind daher bereits sehr früh am Vormittag in Ostuni unterwegs und müssen sogar darauf warten, dass die Tore der Kathedrale geöffnet werden - denn diese wollen wir unbedingt auch dieses Mal kurz besuchen. Als wir Ostuni dann später gegen Mittag verlassen, strömen uns die Touristenmassen entgegen, die Parkplätze sind auf einmal prall gefüllt und wir wissen: Genau der richtige Zeitpunkt um die Stadt wieder zu verlassen und uns im Hotel Ostuni a Mare - Rosa Marina auf die Liegen am Strand zu werfen...
Und noch etwas hat sich verändert oder zumindest kommt es mir so vor: Waren bei unserem Besuch 2019 in dem Viertel rund um die Via Gaetano Tanzarella Vitale neben vielen Restaurants und Cafès auch viele kleine Geschäfte und interessante Concept Stores zu finden, so scheint hier mittlerweile fast zur Gänze die Gastronomie übernommen zu haben. Schade, diesen Mix aus Gastronomie und Geschäften fand ich damals sehr gut. Aber dennoch sollte man hier ein bissschen Zeit verbringen und den malerischen Charme der kleinen Gassen und Ecken genießen...
Bevor wir Ostuni wieder Richtung Meer verlassen, gönnen wir uns aber noch ein kühles Getränk in einem Cafè auf der Piazza della Libertà, mit Blick auf die Chiesa San Francesco und den Palazzo Comunale, in dem sich ursprünglich (im 14. Jhdt.) ein Franziskanerkloster befunden hatte. 1808 wurden die Mönche enteignet und viele Spuren ihres Wirkens findet man nun nicht mehr, mit einer Ausnahme, nämlich der Chiesa San Francesco mit ihrer verspielten Fassade. Ein kurzer Besuch lohnt sich, denn besonders sehenswert ist die schöne Bronzetür (von Egidio Giaroli), auf der u. a. verschiedene Szenen aus der Stadt Ostuni dargestellt sind. Und dann heißt es endgültig Abschied nehmen von der weißen Schönheit, ein letzter Blick auf die Guglia di Sant`Oronzo, eine üppig dekorierte, 21 Meter hohe, spätbarocke Säule aus dem Jahr 1771, ganz oben die Statue des namensgebenden Hl. Orontius. Vorbei geht es bergab und vorbei an hübschen Lokalen und üppigem Blumenschmuck Richtung Parkplatz. Und so schön ich Ostuni finde, jetzt kann ich es nicht mehr erwarten ins türkise Meer zu laufen...
Und hier gibt´s noch mehr Apulien: Lecce – wo der Barock Kapriolen schlägt I 48h im schönen Valle d`Itria I O(h)tranto! Oh Mare! I Hotel-Tipp: Die Masseria Mongiò dell`Elefante bei Otranto I Hotel Tipp: Dolce vita im Ostuni a Mare - Rosa Marina
Der guten Ordnung halber erwähnt: Dies ist ein unbeauftragter und unbezahlter Blog-Beitrag. Die Reise erfolgte zur Gänze auf eigene Kosten.
destination
Ostuni, die "città bianca" (weiße Stadt), liegt in der Provinz Brindisi der italienischen Region Apulien. Der Ortskern liegt auf drei Hügeln, von dort aus bietet sich ein schöner Blick auf die umliegenden Olivenhaine als auch das adriatische Meer. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale Santa Maria Assunta, die Barockkirche Santa Maria Maddalena als auch die pittoreske weiß getünchte Altstadt – daher auch der Beiname "weiße Stadt".
gut schlafen
Wir waren in Ostuni nur ein paar Stunden auf der Durchfahrt ins Salento. Hätten wir dort einen längeren Aufenthalt geplant, dann hätte uns die Masseria Cervarolo interessiert: In der großzügig angelegten Masseria mit Pool kann man u.a in Trullis aus dem 16. Jahrhundert schlafen.
Ebenfalls noch nicht selbst ausprobiert, aber aus der Ferne habe ich mich ein wenig verliebt darin: Casa Stella di Ostuni. Ein Haus direkt im historischen Stadtzentrum, 90 Quadratmeter groß und für vier Personen geeignet. Wunderschön eingerichtet und die Terrasse löst sofort Ostuni-Fernweh in mir aus...
gut essen & trinken
Großartiger Ausblick auf das Meer (zumindest von einigen Tischen aus) in einer ruhigen Ecke Ostunis: Borgo Antico Bistrot, Via Fina 8
Auch wenn die kleine Bar von außen nicht so aussieht, hier gibt es die besten Panini von Ostuni: Sapori D'eccellenza, Via Gaspare Petrarolo, Große Auswahl unterschiedlichster Panini, ich habe eines mit Capocollo und Käse probiert, köstlich!