• Barocke Sinnesfreuden im Südosten: Noto & Siracusa
    Sizilien, ein Fest der Sinne! (III)

  • Sie sind hier:
  • Reiseziele » Italien » Barocke Sinnesfreuden im Südosten: Noto & Siracusa

Es tut sich was in Noto, abseits von Barock(kirchen) und Palazzi: Bunt ist die kleine Stadt im Val di Noto, lebendig und gemütlich. Und letzteres ist für einen relaxten Urlaub im Südosten der Insel die beste Voraussetzung. Mehr als lohnenswert ist auch ein Abstecher ins nahe Siracusa mit seiner schönen Altstadt...

Sie ist definitiv keine Shoppingstadt, aber flanieren lässt es sich hier trotzdem wunderbar und zwar rund um den Corso Vittorio Emanuele, wo zahlreiche kleine Geschäfte, Bars und Restaurants warten. Treppauf, treppab, immer wieder bietet sich ein neuer Blickwinkel. Dazwischen ein köstliches Granita im Caffè Sicilia und dann ab zum Abendessen in einem der vielen guten Restaurants. Nach 2017 sind wir 2018 gleich wieder zurückgekehrt nach Noto und können es besonders relaxt angehen;  alle Kirchen und historischen Gebäude sind besichtigt, da drängt uns nichts mehr. Ein bisschen ist es wie heimkommen: Wir haben unser Lieblingsrestaurant, wissen wo man den besten Sprizz der Stadt bekommt und verbringen ganze Tage mit herrlichem Nichtstun an den umliegenden Stränden, am liebsten am Lido von San Lorenzo. Von dort dann abends ins Suruq in Marzamemi, einem ehemaligen Fischerdörfchen, wo man den Tag an der großen Piazza in der langsam untergehenden Sonne beschließen kann...

Aber zurück zum Juni 2017: Siracusa müsst ihr gesehen haben, sagt unser Vermieter Nicolò von den Melodia 3 Suites, una città bellissima, am besten gleich morgen. Und dann sind wir auch schon unterwegs ins rund 40 Autominuten entfernte Siracusa. Leider geraten wir in einen Stau, Bauarbeiten, irgendwie auch unvermeidlich auf dieser Insel, irgendwo lauert immer eine Baustelle. Aber unsere Geduld hat sich gelohnt, denn wir mögen Siracusa, von der ersten Minute an. Das Auto parken wir an einem Hafenbecken, nahe der Ponte Nuovo. Ein selbst ernannter Parkwächter winkt uns in eine winzige Lücke, wir bedanken uns mit zwei Euro. Ob wir dort überhaupt parken dürfen, das ist uns zwar nicht so ganz klar, aber das Auto ist noch da, als wir Stunden später zurückkommen, alles bestens. Über die Ponte Nuovo schlendern wir Richtung Ortygia, der Halbinsel, auf der die hübsche Altstadt von Siracusa liegt. "Wachtelinsel" wird die 40ha große Halbinsel auch genannt, die zwischen zwei großen Naturhäfen liegt. Sie verfügt über eine ergiebige Süßwasserquelle und ist nur durch eine enge Durchfahrt vom Festland getrennt. Beste Voraussetzungen um die Stadt effizient verteidigen zu können und das haben bereits im 10. Jahrhundert vor Christi die Sikuler erkannt und die Halbinsel daher besiedelt.

In der Antike war Siracusa über Jahrhunderte die größte und mächtigste Stadt Siziliens. Das ist sie heute mit rund 120.000 Einwohnern zwar nicht mehr, aber dennoch einen ausgedehnten Besuch wert. Vielfältige Geschichte begegnet einem hier auf Schritt und Tritt, wir stehen gleich einmal auf der Piazza Pancali vor den Überresten des Apollontempels, der um 570 v. Chr. erbaut wurde und damit der älteste dorische Tempel Siziliens ist. Egal wie man sich dann durch Ortygia bewegt, man kann es gar nicht verhindern auf spannende historische Spuren zu stossen: da warten ein griechisches Theater, antike Steinbrüche oder frühchristliche Katakomben auf die Besucher.

Wir schlendern aber erstmal gemütlich über den Corso Matteotti, schauen immer wieder in kleine Hinterhöfe, in denen hübsche kleine Läden zu finden sind. Dann legen wir eine kleine Pause an der Piazza Archimede ein, die von zahlreichen schönen Palästen aus dem 14. und 15. Jahrhundert umgeben ist. Eigentlicher Blickfang ist aber der imposante Jugendstilbrunnen in der Mitte des Platzes, die Fontana di Artemide von Giulio Moschetti. Der Brunnen zeigt die Nympe Arethusa, die mit Hilfe der Göttin Artemis in eine Quelle verwandelt wird - und diese berühmte Süßwasserquelle von Ortygia findet man nur wenig entfernt, südlich vom Domplatz. Und dann geht es weiter über die Via Roma und die Via Minerva und schon stehen wir an einem der schönsten Plätze Italiens, zumindest empfinde ich es so: Der Piazza Duomo. Wo soll man hier zuerst hinsehen, Barock pur an allen Seiten: Neben dem Dom Santa Maria delle Collone mit seiner üppigen Fassade stehen hier auch das erzbischöfliche Palais, die Kirche Santa Lucia alla Badia, der Palazzo Beneventano del Bosco und das Rathaus. Und wenn die Sonne von der Hitze flirrend auf auf die Piazza herunter brennt, dann scheinen die Gebäude an deren Seiten regelrecht zu schweben, so leicht, verspielt und hell wie sie da stehen. 

Er ist nicht zu übersehen zwischen all der barocken Üppigkeit: Der moderne, geradlinige Artemision-Pavillon an der Piazza Minerva, der von Architekt Vincenzo Latina entworfen wurde. Das kleine, als Pavillon gestaltete Museum steht auf dem Gelände der ehemaligen Kirche von S. Sebastianello und ermöglicht einen neuen Zugang zu den Ausgrabungen am Artemis-Tempel von Ortygia; die Ruinen des Artemision, Reste eines ionischen Tempels, waren in den 1960er Jahren entdeckt worden. 

Auch wenn man sich nicht über die Maße für Kunstgeschichte oder sakrale Bauten interessiert, ist der Dom von Siracusa ein Highlight, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte: Denn durch die Vorhalle des Doms begibt man sich direkt in die Antike. Es ist außergewöhnlich und sehr beeindruckend. Auch heute sind hier noch große Teile eines antiken, der Athene geweihten Tempels, der ca. 500 vor Christi errichtet wurde, erhalten. Die Ausmaße des dorischen Siegestempels waren beeindruckend, das Bauwerk war 22x55 Meter groß, die Säulen waren fast neun Meter hoch. Im 7. Jahrhundert wurde der Tempel schließlich in eine Kirche der Jungfrau Maria umgebaut, u.a. wurden die seitlichen Umgänge in die Seitenschiffe einer dreischiffigen Basilika verwandelt. Und so lassen sich im Dom heute noch die Spuren der vergangenen Jahrtausende ablesen: Da finden sich Teile des antiken Tempels neben Elementen byzantinischer Baukunst, normannischer Romanik und sizilianischen Barocks. 

Noch ganz beeindruckt von der faszinierenden Baugeschichte des Doms überqueren wir die Piazza Duomo, auf die die Mittagssonne unerbittlich herunterbrennt – und fliehen gleich in die Kühle der nächsten Kirche, der Chiesa Santa Lucia alla Badia. Und auch sie wartet mit einem absoluten Highlight auf: Dem Gemälde "Tod der hl. Lucia" von Caravaggio. Wohl auch der Grund, warum das Fotografieren in der Kirche streng verboten ist und so bleibt nur ein Schnappschuss der schönen blau-weißen Fliesen im Eingangsbereich der Kirche. 

Vom Domplatz ist es nicht mehr weit zur berühmten Arethusaquelle, einer Süßwasserquelle am Lungomare, unmittelbar neben dem Meer. Wie so oft in Sizilien gibt es auch hierzu eine Legende: So soll die Nymphe Arethusa vor dem griechischen Flussgott Alpheios geflohen sein, sich an der Ostküste des griechischen Peloponnes ins Meer gestürzt haben und auf Ortygia wieder aufgetaucht sein. Soweit der antike Mythos, der Arethusa zu großer Verehrung verhalf: Denn schließlich war es ihr zu verdanken, dass mit dieser Quelle Süßwasser zur Verfügung stand, nur so konnte die Stadt hier entstehen. Heute ist die Quelle ein beliebter allabendlicher Treffpunkt der Syrakusaner. Wir schlendern schließlich noch den "Lungomare" entlang, der sich von der Arethusaquelle vorbei an der Porta Marina bis hin zur kleinen Kirche Santa Maria dei Miracoli zieht – immer das verführerisch türkis glitzernde Meer im Blick. Ein Sprung ins kühle Nass, das wäre jetzt was! Aber immerhin, hier geht ein angenehmer Wind, eine mehr als willkommene Abwechslung an diesem heißen Junitag, bevor wir wieder in das enge Straßengewirr der Altstadt abtauchen...

Noch mehr Barock-Kunst finden wir bei unseren weiteren Reise-Etappen in Modica und Ragusa.

Werbung aufgrund von Namensnennungen/Verlinkungen. Die Reise erfolgte auf eigene Kosten.

 

 

destination

SIRACUSA

Sie war einst die mächtigste und wichtigste Stadt der Insel: Siracusa. An wirtschaftlicher Relevanz hat sie längst verloren, aber die kulturhistorischen Schätze machen die Stadt zu einer wichtigen Station auf jeder Sizilienreise: ein griechisches Theater, antike Steinbrüche, frühchristliche Katakomben und der Dom, der aus einem Athenatempel entstanden ist sind nur ein paar Sehenswürdigkeiten, die man auf der Liste haben sollte.

gut schlafen

Wir haben nach Siracusa nur einen Tagesausflug unternommen, da wir uns im Zuge unserer Reiseplanungen für einen längeren Aufenthalt in Noto entschieden hatten. Hätten wir mehr Zeit in Siracusa verbracht, wäre das Hotel Gutkowski unsere erste Wahl gewesen:  www.guthotel.it/