• Winterfrische im Ausseerland I
    Altausseer See I Grundlsee I Österreich

Eigentlich ist meine große Liebe ja der Wolfgangsee im oberösterreichisch-salzburgischen Salzkammergut.
Aber einmal im Jahr werde ich ihm untreu, denn da ruft das steirische Salzkammergut,
laut und deutlich – zur Winterfrische im Ausseerland. Oft mit Wintermärchen-Feeling
und immer mit allem, was sonst so dazu gehört zu perfekten Weihnachtsferien...

Die Vorfreude befällt mich bereits jedes Jahr im November, dann beginne ich die Tage herunter zu zählen und am liebsten würde ich einen Kalender anlegen, wie damals in Schulzeiten. Jeden Tag ein Eckerl des Kalenders abschneiden, bis man nichts mehr in Händen hält und weiß: Jetzt ist es soweit, Abfahrt ins pure Glück... Und so machen wir uns jedes Jahr am 25. Dezember auf ins Ausseerland. Längst habe ich es mir abgewöhnt vorab die Wetteraussichten zu checken: Que sera, sera. Denn vor uns liegen zwei Wochen Winterfrische und was auch immer das Wetter uns bieten wird, werden wir annehmen – denn Winterfrische ist für uns lange Spaziergänge im Freien, gute Bücher lesen, ausgiebig kochen und gut essen, ausschlafen, in der Narzissen-Therme abtauchen, Schneemänner mit den Kindern bauen, Schneeballschlachten ausfechten und auch mal die Bretteln anschnallen, wenn die Schneelage passt. 

Es hat schon fast Tradition, dass wir am 25. Dezember erst mal in einem nur mäßig angezuckerten Bad Aussee landen: Vor unserem Fenster leuchtet dann Grün in den unterschiedlichsten Schattierungen, darüber ein zarter weißer Teppich, und ganz hinten da leuchten uns die Berge entgegen und verheißen mehr vom weißen Glück. Aber dann, meist um den 27. herum ziehen die Schneewolken auf und wir freuen uns wie Kinder dem entgegen, was diese Wolken uns verheißen. Und tatsächlich, so oft wachen wir dann morgens auf, und ahnen es schon beim ersten müden Blick durch die Vorhänge... da hat sich Frau Holle wieder mal große Mühe gegeben. Sanft schweben die Schneeflocken herunter, dick und beständig, und tauchen Bad Aussee, das uns im unserem Quartier oben am Hügel zu Füssen liegt, in ein dickes weißes Etwas. Winterwonderland. Märchenhaft. So soll Weihnachten sein, so soll Winterfrische...

Aber auch wenn Frau Holle mal auslässt, ist Winterfrische im Ausseerland das beste, was einem passieren kann. Denn die Berge, die Seen, die sanften Hügel dazwischen, die sind wie sie sind, ob mit oder ohne Schnee, nämlich einfach wunderschön. Ja, da spricht die pure Liebe für diese Region aus mir, zugegeben. Aber spätestens wer im Winter am Ufer des Ausseer Sees steht und in der Winterstille die Spiegelungen des Sees genießt, der weiß, dass er gerade an keinem besseren Platz auf dieser Erde sein könnte. Praktisch fast zur Gänze unverbaut sind die Ufer des Sees, der inmitten des Naturschutzgebietes Altaussee liegt. 2,1 Quadratkilometer ist er groß, rund 2,6 Kilometer lang, einen Kilometer breit, 73 Meter ist er an der tiefsten Stelle tief. Aber was sagen Zahlen über einen See aus? Wer hier am Ufer steht, für den sind ganz andere Parameter ausschlaggebend...

Sie begrüßt einen förmlich, sobald man sich dem See nähert: Die Trisselwand, 1754 Meter hoch, zum Toten Gebirge gehörend. Was für ein Schauspiel, wenn die Sonne auf die steil aufragende, rund 600 Meter hohe Felswand fällt und dann immer höher klettert. Zu Recht gilt sie – neben dem Loser – als Hausberg der Gemeinde Altaussee. Wer die Trisselwand ganz genau kennenlernen will, der steigt vom Ort Altaussee über den Tressensattel hinauf. Was das für ein Ausblick sein muss, von da oben. Der Altausseersee liegt wohl fast senkrecht unter einem, Altaussee und Bad Aussee liegen dahinter, und der Dachstein mit seinen Gletschern grüßt herüber. Nicht umsonst gilt die Wanderung als eine der schönsten im Salzkammergut. Und in mir wächst der Plan, neben der Winterfrische auch einmal die Sommerfrische im Ausseerland zu verbringen, und dann soll es auch mal hinauf gehen, auf die Trisselwand, die mir von da unten schon so vertraut ist...

Auch für den Winter bestens geeignet ist hingegen die Umrundung des Altausseersees. Knapp acht Kilometer legt man hier hinter sich und am schönsten ist es natürlich, wenn der Schnee unter einem knirscht und der See ruhig und dunkelblau vor einem liegt und die Berge mit ihrem Spiegelbild wetteifern. Wer den See umrundet, kann auch von hier Ausblicke auf das Tote Gebirge und das Dachsteinmassiv genießen. Das Schöne an einer Seeumrundung: Die Ufer sind praktisch unverbaut, überall kann man ihm nahe sein. Wer die Umrundung beim Hotel Seevilla startet, passiert nach wenigen Minuten das Strandcafè, idyllisch am Ufer gelegen und im Winter leider geschlossen. Neben dem Restaurantbetrieb stehen hier auch sechs Ferienwohnungen zur Verfügung, in den ehemaligen Badekabinen des Strandbades errichtet. Was für ein Genuss das sein muss, hier im Sommer morgens aufzuwachen und gleich mal in den See zu springen.

Auch die Gastwirtschaft auf der Seewiese, die man ebenfalls passiert, ist im Winter nicht geöffnet, zu den restlichen Jahreszeiten aber mehr als nur einen Besuch wert. Von der "schönsten Sackgasse der Welt" hat angeblich schon Friedrich Torberg geschwärmt und ja, dieser Platz ist schon ziemlich einzigartig, da muss man ihm wohl Recht geben. Von der Seewiese, die ziemlich genau auf halbem Weg des Rundwanderwegs liegt, geht es dann unterhalb des Losers entlang zurück nach Altaussee.

Pünktlich um 16 Uhr finde ich mich übrigens am Ufer des Sees ein, wann immer der Tag es zulässt. Denn dann bereitet sich die Trisselwand verlässlich auf ein Schauspiel der Sonderklasse vor: Da klettert das Nachmittagslicht über die steile Wand bis hinauf zum Kamm des Berges, legt sich dort dann zart auf dessen Spitzen, scheint sich noch einmal anschmiegen zu wollen, bevor es dann hinter der Trisselwand verschwindet. Und jeden Tag auf´s Neue fasziniert es mich, jeden Tag ist das Licht ein anderes, das Schauspiel ein besonderes...

Besonders gut ist dieses Spektakel auch vom Seeufer vor der Jausenstation Kahlseneck zu beobachten, erste Reihe fußfrei sitzt man hier quasi mit Blick auf die Trisselwand. Stunden habe ich hier schon gesessen, in der Sonne, mit einem guten Buch, dick eingehüllt in eine Decke, mit Blick auf die Trisselwand. Und einem guten Essen und einem Glas steirischen Weißwein. Da braucht es wenig mehr, an solchen Tagen. Sommers wie winters ist man hier gut aufgehoben.

Nur wenige Kilometer entfernt wartet der große Bruder des Altausseer Sees, der Grundlsee – mit seinen 4,2 Quadratkilometern FLäche übrigens der größte See in der Steiermark. Malerisch hingestreckt liegt er am Südende des Toten Gebirges. Auch ihn umragen beeindrucke Gebirgspanoramen: Ressen, Zlaimkogel, Schoberweise, Hundskogel, Backensteinm Reichenstein, Gössler Wand – und wie sie sonst noch so heißen, die umliegenden Berge des Toten Gebirges. Besonders gerne stehe ich am Ostufer des Sees, in Gößl und lasse mich von den Spiegelungen des winterblauen Sees beeindrucken. Langgestreckt liegt er da vor einem, die Enten nehmen ein kühles Bad und ich stehe hier, in der Stille, und mache einfach nichts. Außer schauen. Reinigung für die Seele, möchte man da fast sagen, aber nein, werden wir nicht pathetisch, schön ist es hier. Einfach schön.

Das Prädikat "weltschönster Friedhof" verdient wohl der Friedhof in Grundlsee: Auf einem sanften Hügel liegt er im Ortsteil Bräuhof und den Besuchern bietet sich von dort oben ein wunderbarer Ausblick auf den See. Was für ein schöner und friedvoller Ort um der Verstorbenen zu gedenken, habe ich mir schon oft gedacht.

Hier gibt es noch mehr Winterfrische: Gleich hinter dem Grundlsee liegt der sagenumwobene Toplitzsee und oberhalb von Altaussee das Winterwonderland Blaa Alm...

Unbeauftragte, unbezahlte Werbung. Die Reisen erfolgten auf eigene Kosten.

destination

Das Ausseerland liegt im steirischen Salzkammergut, im Nordwesten der Steiermark (Obersteiermark) und im Grenzgebiet zu Oberösterreich. Bekannt ist es für seine zahlreichen Seen – darunter u.a. der Grundlsee, Altausseer See, Toplitzsee, Kammersee, Ödensee – und die umliegenden beeindruckenden Bergmassive der Nördlichen Kalkalpen, wie z.B. das Dachsteinmassiv, den Sarsteinstock, den Sandling und das Tote Gebirge. 

gut schlafen

Hier hätte  Postmeister-Tochter Anna Plochl, die so lange um ihre Liebe zu Erzherzog Johann von Österreich kämpfen musste, wohl auch gerne übernachtet: Im AnnaPlochl Bed & Breakfast, das romantisch, gemütlich, familiär und lässig ist. Und mitten in Bad Aussee liegt, bester Ausgangspunkt für Erkundungstouren im Ausseerland.

gut essen & trinken

Bei der Umrundung des Altausseer Sees auf jeden Fall einen Stopp wert: Das Strandcafè und die Seewiese Altaussee.
Mein Lieblingsspot am See, mit erste-Reise-fußfrei-Ausblick auf die Trisselwand: Die Jausenstation Kahlseneck.