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Juni 2025

Es ist so weit: Wir lassen die Costa di Bari hinter uns, nun geht es weiter ins schöne Terra di
Bari – und hier in das geheimnisumwitterte Castel del Monte. So sehr wir uns darauf freuen – denn es ist ein absolutes Must auf unserer Apulienreise –, es ist auch ein bisschen schade die Ostküste zu verlassen, denn dort reihen sich zwischen Torre Canne im Süden und Barletta im Norden die Städte wie glänzende Perlen aneinander…

Die Hafenstädte Bari, Trani und Barletta haben wir gesehen, allesamt an der Costa di Bari gelegen, wunderschön und auf jeden Fall einen ausgiebigen Besuch wert. Und wir hätten gerne noch mehr kennengelernt, wie z. B. Bisceglie, Giovinazzo, Molfetta, Monopoli oder Polignano a Mare. Aber ein bisschen etwas muss man sich ja für den nächsten Apulien-Besuch aufheben. Jetzt also geht es ins Landesinnere, in die Terra di Bari, dem Hinterland, das sich parallel zur Costa di Bari hinzieht. Dieses Gebiet ist Teil der Murgia, die bis in den Salento im Süden Apuliens reicht; speziell daran ist, dass sich hier Kalksteinplatten vom Meer ausgehend geradezu stufenförmig aufbauen. Und je nach Stufe, unterscheidet sich die Vegetation. Zwischen Oliven- und Mandelhainen fahren wir auf schmalen Landstraßen dahin, es wird hügeliger und dann ist es auch schon angeschrieben, das Castel del Monte. „Krone Apuliens“ wurde das Castello auch genannt und wer sich diesem nähert, der kann dies auch sofort nachvollziehen: Denn es thront wirklich wie eine Krone auf einem Hügel, auf rund 500 Metern über dem Meerespiegel, ziemlich einsam, aber auch ziemlich majestätisch, mit Rundumblick auf die Ebene und bis hin zur Küste. Ein mächtiger, steinerner Koloss, in Form eines Oktogons, mit acht achteckigen Türmen. 

Wenige Schlösser sind so  geheimnisumwittert wie das Castel del Monte, das zwar zweifellos im Auftrag von Stauferkaiser Friedrich II. errichtet wurde, über das aber ansonsten erstaunlich wenig bekannt ist. Das Kastell ist eines von mehreren Schlössern und Festungsanlagen, die entlang einer Verteidigungslinie in der Basilikata und in Apulien erbaut wurden. Aber es gibt auch jede Menge Rätsel auf: Zu welchem Zweck wurde es erbaut? Einen Schlossgraben oder eine Zugbrücke gibt es nicht, auch keine Schießscharten, Stallungen und Arsenale oder weitere Einrichtungen einer richtigen Verteidigungsanlage. Es ist zwar ein richtig trutziger Bau, in bester Hügellage, aber auf Verteidigung war das Kastell offensichtlich nicht ausgerichtet.

Hat es Friedrich II. also eher zur Repräsentation gedient? Das würde Sinn machen, denn Lage, Größe und Architektur – mit dem mächtigen Hauptportal und den dekorativen Fenstern – sind sorgfältig gewählt. Andererseits: Das Kastell liegt weitab von wichtigen Städten und Knotenpunkten, macht hier ein rein repräsentatives Gebäude, in dem Staatsgäste empfangen werden, überhaupt Sinn? Oder was das Kastell einfach „nur“ das beeindruckende Beispiel eines idealen Bauwerks, aber eigentlich ohne konkreten Zweck? Die Wissenschaft ist sich hier einfach nicht einig, Mutmaßungen gibt es viele und wahrscheinlich, so denke ich zumindest, hat Friedrich II. dies als sein Geheimnis mit ins Grab genommen.

Und dann sind wir auch schon bei den wenigen Fakten, die bekannt sind: Stauferkaiser Friedrich II. gab das Kastell um 1240 in Auftrag, zu einem Zeitpunkt, an dem ein erfolgreicher Kreuzzug hinter ihm lag und seine Machtposition wieder gefestigt war. Aber hat er sich hier auch jemals aufgehalten? Auch das weiß man nicht. Gesichert scheint hingegen, dass einiges später Karl I. von Anjou, der die Staufer bekämpfte und schließlich auch besiegte, Friedrichs kleine Enkel Friedrich, Heinrich und Enzio ausgerechnet im Castel del Monte (das damals noch Castel Santa Maria del Monte hieß) für viele Jahre ins Verlies werfen ließ. Auch ein paar prächtige Hochzeiten sollen hier gefeiert worden sein, u. a. wurde hier Beatrix, jüngste Tochter von Karl II. von Anjou, vermählt. 1495 soll im Kastell Ferdinand von Aragón Rast gemacht haben, auf seinem Weg nach Barletta, wo er zum König beider Sizilien gekrönt wurde. Aber dann hüllt sich die Geschichte des Kastells förmlich in einen dichten Nebel, denn viel weiß man nicht über die folgende Zeit, außer, dass es ab Mitte des 17. Jahrhunderts langsam verfiel, geplündert und schließlich von Hirten, ihren Herden und Briganten bevölkert wurde. Vom italienischen Staat wurde es 1876 gekauft, ab 1928 restauriert.

Durch das beeindruckende Hauptportal geht es in den Innenhof des Kastells, der, im Gegensatz zum mächtigen äußeren Erscheinungsbild, geradezu klein und intim wirkt. Und dennoch, man fühlt sich hier nicht eingeengt, im Gegenteil, und der Blick Richtung Himmel lässt die oktogonale Architektur des Kastells noch mehr wirken. Und schon hier sieht man, z.B. am Eingangsportal, dass im Castel del Monte viel „breccia rossa“ zum Einsatz kam. Ein Kunststein, der aus der in Apulien oft vorkommenden roten Erde besteht, darüber hinaus aus Kalk und – um diesen besser formen zu können – auch aus Ton.

Im Inneren im Erdgeschoss des Kastells bin ich dann doch überrascht angesichts der Leere; wobei dies eigentlich nur logisch ist, war das Gebäude doch geplündert worden und lange leer gestanden. Und manche Forscher mutmaßen auch, dass das Kastell nie zur Gänze fertiggestellt worden war. Was sollte hier also noch herumstehen? Aber dennoch, ich lasse meine Augen erst mal überrascht durch die Räume wandern, deren Architektur und aufwändige Gestaltung durch die Leere noch stärker hervortreten. War ich schon vor dem Kastell stehend beeindruckt, so bin ich es hier nun auch. So richtig ausdrücken kann ich es gar nicht, aber die Atmosphäre dieser Räume nimmt einen gefangen. Und vielleicht, gerade weil hier soviel Freiraum für Gedanken ist, läuft auch gleich ein wenig Kopfkino ab, das einen in die Vergangenheit reisen lässt.  

Im ersten Stock des Kastells angelangt, denkt man unwillkürlich doch wieder über Sinn und Zweck dieses Bauwerks nach: Was, wenn Friedrich II. hier doch einfach nur eine gute Zeit verbringen wollte, mit kleinem Hofstaat und engen Vertrauten? Was dafür spricht? Die schöne, detailreiche Ausgestaltung der Räume, mit stilistisch unterschiedlichsten Säulen, teilweise aus grau-orangefarbenen Marmor. Die Kamine in mehreren Räumen, die schönen Mosaik-Böden, von denen nur wenige Reste erhalten sind, Belüftungssysteme und auch die Sanitäranlagen mit Bädern und Toiletten, die (sehr fortschrittlich) von den Dachzisternen mit fließendem Wasser versorgt wurden. Hier wurde Komfort angestrebt und vielleicht war es, neudeutsch ausgedrückt, einfach ein schönes „Hideaway“ für den umtriebigen Stauferkaiser?

Hat man das Kastell wieder verlassen, sollte man auf jeden Fall noch eine Runde um das Bauwerk drehen. Denn dabei werden einem Mächtigkeit und Dimensionen des Baus, der seit  1996 UNESCO-Welterbe und seit 2001 auf der Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze abgebildet ist, noch einmal so richtig bewusst. Die Mauern bestehen aus Kalksteinen aus der Region, die je nach Tageszeit und Witterung eine andere Farbe annehmen. Uns präsentiert sich das Kastell an diesem heißen Juni-Tag im Licht des frühen Nachmittags geradezu weiß, bei Sonnenuntergang soll es rosa bis feuerrot leuchten. Schade, das hätte ich nur zu gern gesehen.

Es geht wieder zurück in unser Quartier, die Villa Pesce, nahe Canosa di Puglia. Und auf dem Weg dahin lernen wir eine andere typische Charakteristik des Terra di Bari kennen: Denn wir rollen dahin, über hügelige Ebenen und zwischen weiten, leuchtenden Weizenfeldern und immer dem Meer entgegen...

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Sie reihen sich wie Perlen an einander, die Hafenstädte der Costa di Bari: Wir haben einige davon besucht, hier gibt es Blog-Beiträge zu Bari, Trani und Barletta.

Weiter südlich wartet der Salento: Wir haben auf unserer Apulienreise das Hafenstädtchen Otranto mit seiner großartigen Kathedrale und einer lebendigen Altstadt, das hübsche Galatina im Herzen des Salento und das beeindrucken am Golf von Tarent liegende Hafenstädtchen Gallipoli besucht.

Auch das durch und durch barocke Lecce mit seinen großartigen Bauwerken sollte man bei einer Reise durch den Salento unbedingt auf dem Zettel haben. 

Schöner wohnen im Urlaub? Unbedingt in einer der zwei Ferienwohnungen im aufwändig und liebevoll restaurierten Palazzo Marconi in Corigliano d`Otranto, im Herzen des Salento.

Sehenswert ist auch das Valle d`Itria mit seinen zahlreichen Trullis, hier haben wir einen Stopp in der Trulli-Stadt Alberobello und im beschaulichen Martina Franca eingelegt.

Die weiße Stadt, Ostuni, auch sie sollte man nicht links liegen lassen und einen Spaziergang durch das pittorese Gassengewirr machen.

Diese Reise erfolgte zur Gänze auf eigene Kosten. Alle Empfehlungen kommen von Herzen...