• Die Schöne, die auf den 2. Blick verführt... (2)
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Weiter geht es mit dem Spaziergang durch Triest: Die beeindruckende Piazza
dell`Unità d`Italia haben wir abgeschritten, einen Abstecher zum Molo Audace gemacht, den Canal Grande aus allen Perspektiven betrachtet und das Borgo Teresiano erkundet. Jetzt geht es hinauf auf den Hügel von San Giusto, der Ausblick und Kulturgenuss verspricht... 

Es ist einer meiner Lieblingsspaziergänge: hinauf auf den Hügel von San Giusto, zum Castello und der Kathedrale San Giusto. Einst lag hier oben, auf dem Hügel des Stadtheiligen Justus, das Zentrum der antiken Stadt Tergeste. Ausgehend von der Piazza di Cavana geht es nun hinauf zur Piazza del Barbacan: Ein hübscher kleiner Platz (beim Arco di Riccardo, einem römischen Torbogen), wo man gut eine kleine Pause einlegen kann.

Bevor man sich Richtung Dom und Castello aufmacht, lohnt sich auch noch ein kurzer Abstecher in die Via Felice Venezian 27: Hier, zwischen zwei spitz aufeinander zulaufenden Straßen, steht die berühmte Rotonda Panzera, ein wunderschönes Beispiel für die klassizistische Architektur von Triest und zudem ein eher ausgefallenesr Repräsentant dieses Baustils. Mit der runden Form und dem wunderschönen Schmuckfries und den ionischen Dreiviertelsäulen ist dem deutschstämmigen Architekten Matthäus Pertsch ein richtiges Schmuckstück gelungen (das man meines Wissens nach leider nicht innen zu besichtigen ist und angeblich in Luxus-Apartments umgebaut wird). 

Aber nun beginnt mein Lieblingsstrecken-Abschnitt hinauf zur Kathedrale: Durch hübsche Gassen mit bunten Fassaden geht es in die Via della Cattedrale und weiter hinauf auf den Hügel. Triest ist keine Stadt, die sich sofort erklärt. Sie entfaltet sich langsam. Besonders deutlich wird mir das immer wieder auf dem Weg hinauf zum San Giusto-Hügel: Dort, wo sich die elegante klassizistische Pracht der Unterstadt irgendwie in mediterrane Gelassenheit zu verwandeln scheint.

Wer Richtung Via Cattedrale hinaufsteigt, erlebt eine Art Farbwechsel der Stadt. Das Licht wird weicher, die Gassen schmaler. Zwischen ockergelben Mauern, ausgewaschenem Terracotta, verblasstem Rosé und hier und da überraschend kräftigem Türkis wirken die Fassaden wie übereinandergelegte Geschichten. Alte Holztüren mit Messinggriffen, pastellgelbe Fensterläden, kleine Balkone mit Pflanzen und dazwischen immer wieder Ausblicke auf das Meer. Triest war lange das Fenster der Habsburger zur Adria – und genau diese kulturelle Spannung sieht man bis heute an den Häusern.

Je höher man Richtung San Giusto kommt, desto stiller wird die Stadt. Ich bleibe stehen um mich umzuschauen: Die Fassaden wirken hier fast filmisch. Sonnengebleichte Pastelltöne, schmale Gassen, Mauern voller Schattenlinien. Gerade am späten Nachmittag, wenn das Licht sich warm auf die Fassaden legt, bekommt der Hügel diese melancholische Schönheit, die Triest so einzigartig macht. Keine perfekte Postkartenästhetik – eher eine, die man spürt. Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zu vielen anderen italienischen Städten die ich gesehen habe: Triest inszeniert sich nicht permanent. Der Weg hinauf zum San-Giusto-Hügel ist für mich deshalb weit mehr als nur ein Spaziergang zu einer Sehenswürdigkeit. Er ist ein langsames Eintauchen in die Seele dieser Stadt – Schicht für Schicht, Farbe für Farbe, Schritt für Schritt.

Rechterhands kann man in den Giardino di Via San Michele abbiegen: Und das sollte man auch tun, zumindest für einen kurzen Abstecher, denn hier gibt es reichlich Grün für das Auge und obendrein einen wirklich schönen Ausblick auf den östlichen Teil der Stadt. Würde ich in Triest leben, könnte man mich hier wohl des öfteren antreffen. Aber dann geht es weiter bergauf, vorbei am Museo d’Antichità J.J. Winckelmann (früher: Museo Civico di Storia d Arte): In dem auf das 19. Jahrhundert zurückgehenden Museum gibt es Funde aus Triest und Umgebung (von der Vor- und Frühgeschichte, der Römerzeit bis hin zum Mittelalter) zu sehen, wie auch eine kleine ägyptische Sammlung. Eines der wichtigsten Ausstellungstücke sind die Statuen des römischen Theaters am Fuße des Hügels. Vom Museum geht es in das Orto Lapidario mit Architekturfragmenten und Steinarbeiten aus der Römerzeit. Und warum heißt das Museum nun so wie es heißt? Weil man in einem Tempel einen Kenotaph (Ehrengrabmal) von Antonio Bosa, einem Schüler Canovas, findet, geschaffen für Johann Joachim Winckelmann, deutscher Archäologe, Bibliothekar, Antiquar und Kunstschriftsteller der Aufklärung, der 1768 unter ziemlich dramatischen Umständen in Triest ermordet wurde.

Es ist übrigens ein kurzer Spaziergang, von der Piazza Barbacan, vorbei am Arco di Riccardo und durch die Via della Cattedrale: Selbst wenn man einen Schlenkerer in den Giardino di Via San Michele macht, ist man in rund 15 Gehminuten am Ziel. Und dann ist man also oben, auf dem Hügel von San Giusto und steht auch schon unmittelbar vor der Kathedrale San Giusto, die mit ihrer Fassade aus dem 14. Jahrhundert relativ schlicht wirkt. Und so zieht die schöne, gotische Rosette auch gleich den Blick auf sich. Der Dom, gewidmet dem Schutzpatron der Stadt, dem hl. Justus, besteht eigentlich aus zwei Kirchen, die eng aneinander gestanden waren und im 15. Jahrhundert zu einer einzigen zusammengefügt wurden.

Das fünfschiffige Innere der Kathedrale wartet dann gleich mit etwas wirklich Sehenswertem auf: Nämlich dem Marien-Mosaik aus dem frühen 12. Jahrhundert in der Apsis der Basilika Santa Maria Assunta, links neben dem Chor. Kenner werden gleich den byzantinischen Stil herauslesen. Hier thront die Muttergottes mit dem Kind zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel, im Streifen darunter die zwölf Apostel.

Besonders schön finde ich auch die Mosaiken in warmen Violett- und Goldtönen über dem Hauptaltar, wie auch die Mosaiken beim rechten als auch linken Altar der Kathedrale. Eigentlich nicht zu übersehen ist das schöne Taufbecken mit einem sechseckigen Unterbau aus dem 14. Jahrhundert. Besonders farbenfroh gestaltet ist die bunt freskierte Josefs-Kapelle. Nicht versäumen sollte man auch die Apsis des hl. Apollinaris; die Freskenreste sind zwar nur mehr schlecht erkennbar, aber am Pfeiler links neben der Apsis findet man eine schöne romanische Madonna mit Kind (aus dem 14. Jahrhundert). Und es gibt noch viel mehr zu sehen, ein ausgiebiger Rundgang lohnt sich also (und der Dumont-Kunstreiseführer Friaul und Triest ist dafür eine tolle Unterstützung). Und gleich noch ein Geständnis: Auf dem Campanile, von dem man einen tollen Rundumblick auf die ganze Stadt haben soll, war ich bisher noch nicht – und somit muss ich beim nächsten Mal wohl wieder hinauf auf den Hügel.

Es gibt noch einiges mehr zu sehen auf dem San Giusto Hügel: Gleich neben der Kathedrale befinden sich die Ruinen des antiken römischen Forums, wo allerdings nach dem Ende des Römischen Reiches so einiges an Stein für den Baum des Doms verwendet wurde. Weiters befindet sich, quasi hinter der Kirche, das Castello San Giusto: Wo einst eine mittelalterliche Festung stand, ließ der Habsburgerkaiser Friedrich III. im 15. Jahrhundert ein neues Kastell errichten. In einem langgestreckten Gebäude, das aus dieser Zeit stammt, befindet sich heute eine Waffensammlung (Armeria). Weiters wurde in der Bastion Lalio das Lapidario Tergestino untergebracht, wo sich eine Sammlung von antiken römischen Skulpturen, Inschriften, Reliefs und anderen Architekturfragmenten aus Triest, aber auch der Umgebung befindet. Und nicht zuletzt hat man natürlich auch einen schönen Ausblick auf die Stadt von hier oben...

Am Weg hinunter, zurück Richtung Piazza dell`Unità d`Italia, kann man noch zwei Kirchen mitnehmen: Einerseits die barocke Chiesa Santa Maria Maggiore, im 17. Jahrhundert von der Triestiner Jesuitengemeinde errichtet. Seit 1922 wird die Kirche in der Via del Collegio am Fuße des Hügels San Giusto vom Franziskanerorden betreut. Betritt man das Innere, lohnt ein ausgiebiger Blick auf die schöne Kuppel.

Gleich daneben in der Via del Collegio die Basilica di San Silvestro: Die älteste Kirche in Triest wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut. Im Kircheninneren sind noch Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Nach der Schließung vieler katholischer Kirchen durch Kaiser Josef II. von Österreich wurde sie 1784 an die Helvetische Gemeinde verkauft, die sie nun zusammen mit den Waldensern verwaltet.

Zwischen großteils schön renovierten Fassaden, engen Gassen und Aperitivo-Stimmung erzählt das Cavana-Viertel – zwischen Piazza dell`Unità und Piazza Hortis – die vielleicht spannendste Geschichte der Stadt. Wo sich heute Restaurants, Weinbars, kleine Galerien und Geschäfte aneinander reihen, lag bis in die 1990er-Jahre das verrufene Rotlichtviertel Triests. Ein bisschen Rotlicht, verfallene Häuser, Kleinkriminalität – nicht gerade ein Ort, an dem man sich gerne aufhielt. Schon der irische Schriftsteller James Joyce soll nachts durch die Gassen rund um die Via Cavana gestreift sein, denn angeblich liebte er gerade diese rohe, widersprüchliche Atmosphäre zwischen Hafenmilieu, Seeleuten und Bordellen. Der Name „Cavana“ stammt übrigens aus dem Venezianischen und bezeichnete einst einfache Bootsschuppen am Wasser. Heute flaniert man hier, trinkt ein Glas oder einen Kaffee oder geht gut essen. 

Apropos James Joyce: Ein Hotel im Cavana-Viertel trägt bis heute seinen Namen. Und die Stadt hat dem Schriftsteller, abgesehen von der Statue am Canal Grande, auch ein eigenes Museum gewidmet, in dem sogar eine Erstausgabe der "Dubliners" aus dem Jahr 1914 zu finden ist, sogar mit Widmung. Fast elf Jahre lebte der Ire in Triest und in diesem Museum ist alles dokumentiert, was sein Leben in dieser Stadt ausmachte: seine Beziehungen zum Bürgertum der Stadt, die zahlreichen Wohnungen, in denen er lebte, die Orte, die er aufsuchte (Kirchen und Gasthäuser, Redaktionen, Villen und Bordelle), seine Familie und vor allem die Werke, die er in Triest schrieb.

 

Apropos: Kaffee und Triest. Das ist – nicht nur wegen Illy – bekanntermaßen eine große Liebesgeschichte. Unbedingt vorbei schauen sollte man daher in der kleinen Kaffeerösterei Torrefazione La Triestina, in der sich seit dem Jahr 1948 nicht viel verändert hat – auch nicht das Logo. Im Angebot sind sieben Sorten von Arabica-Kaffee und wer ein Mitbringsel sucht, wird hier auch fündig. Und dann sollte man natürlich zumindest einem der vielen Kaffeehäuser Triests einen Besuch abstatten die Kaffeehäuser Triests. Und da gibt es zahlreiche – wie z. B. das Caffè San Marco (Via Battisti, 18), mit prachtvollen Jugendstil-Elementen, und bekannt dafür, dass hier Literaten und Intellektuelle wie James Joyce zu den Stammgästen zählten; heute ist übrigens im linken Flügel auch eine Buchhandlung untergebracht. Oder aber das Caffè Tommaseo (Piazza Nicolò Tommaseo, 4), das älteste Caffè Triests (seit 1830), mit Marmortischen und Spiegeln, sehr traditionsreich. Wunderschön ist die Jugendstilfassade des eher kleinen Caffè Torinese, das aber auch innen komplett überzeugt: Mit stilvoller Holzvertäfelung und prächtigem Kristallluster. Ein wenig erinnert es mich an meine Lieblingscafès in Turin… Und ja, den Ausblick schlechthin genießt man natürlich im Caffè degli Specchi an der Piazza dell`Unità d`Italia, 1839 eröffnet – und bis heute der Platz um zu sehen und gesehen zu werden.

Hier geht es weiter zu Teil 3 des Spaziergangs: In mein Lieblingsmuseum im Cavana-Viertel, zu architektonisch besonders spannenden Häusern, ins Schloss Miramare und schließlich hinauf zur Wallfahrtskirche Monte Grisa. 

NOCH MEHR TRIEST GIBT ES HIER:

Triest mit den Augen einer Stadt-Insiderin sehen? In diesem Blog-Beitrag gibt es jede Menge Tipps von Daniela, die seit über 30 Jahren in Triest lebt und ein sehr lässiges Ferienappartment vermietet. 

Badevergnügen in Triest? Aber ja! Und zwar hier!

Gut essen und trinken in Triest: hier kommen meine persönlichen Tipps! 

Meine persönlichen Hotelempfehlungen (die unbeauftragt und unbezahlt entstanden sind):

Mit atemberaubendem Blick auf den Golf von Triest übernachten: Das Hotel Savoia Excelsior Palace Trieste

Üppige Grandezza gepaart mit modernem, italienischem Design im Hotel DoubleTree by Hilton.

Nur einen Katzensprung entfernt von der Piazza dell`Unità d`Italia übernachten: Hotel und Aparthotel Vis à Vis.

Aus dem Bungalow-Zimmer in zwei Minuten ins Meer: Tre Merli Beach Hotel. 

Der guten Ordnung halber erwähnt: Dieser Beitrag ist unbeauftragt und unbezahlt im Rahmen mehrerer privater Triest-Reisen entstanden.