Türkis, kristallklar und herrlich kühl – nicht weniger haben wir uns erwartet vom Meer an der Küste bei Otranto. Einer der schönsten Küstenabschnitte in Apulien soll dies sein und auch diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Aber Otranto kann noch mehr: Eine lebendige kleine Stadt mit guten Restaurants und einer Kathedrale, die seinesgleichen sucht... Oh Mare! O(h)tranto!
Martina Franca, Alberobello, Ostuni und Matera in der benachbarten Basilikata – allesamt wunderschöne kleinere und größere Städte, die wir in den letzten Tagen besichtigt haben. Aber nun sind wir bereit für das Meer, das wir bereits von Ostuni aus gesehen haben: Verführerisch türkis hat es dort zu uns herüber geleuchtet und genau das wollen wir jetzt aus nächster Nähe sehen. Also geht es von Ostuni vorbei an Brindisi und Lecce hinunter in den Süden Apuliens, an den Stiefelabsatz. Otranto ist die südöstlichste Stadt Italiens und nur ein paar Minuten außerhalb davon haben wir uns eine hübsche Masseria ausgesucht – und hier liegt uns das Meer fast zu Füßen, zumindest von unserer Dachterrasse aus.
Strandtipp Nr. 1: Baia dei Turchi
Bevor wir uns ins Getümmel Otrantos werfen, gibt es hier erst mal ein paar Strandtipps. Nr 1: Die Baia dei Turchi, die nur wenige Gehminuten von unserer Masseria entfernt liegt. Ein wunderschöner Küstenabschnitt mit glasklarem Wasser, teilweise von schroffen Felsen umgeben. Durch einen kleinen Wald geht es von unserer Masseria aus an diesen Sandstrand, an dem man sowohl kostenfrei baden, als auch Liegen und Schirme mieten kann. (Wenn man auf der SP366 Richtung Alimini fährt, ist rechter Hand die Zufahrt zu einem Parkplatz für die Baia dei Turchi ausgewiesen; vom Parkplatz aus geht es dann zu Fuß durch einen kleinen Wald zum Strand.) Einen kleinen Kiosk mit Panini und Getränken gibt es hier auch, allerdings sollte man sich rechtzeitig mit Panini versorgen, denn diese sind beliebt und sogar in der Nebensaison recht schnell ausverkauft. Im Juni trifft man hier vor allem Italiener:innen und Einheimische an – italienisches Strandleben at its best.
Strandtipp Nr. 2: Lido di Tropea
Tropea liegt zwar eigentlich in der benachbarten Region Kalabrien, aber der Lido di Tropea wartet nur ein paar Autominuten von unserer Masseria entfernt auf uns – und lockt uns mit einem längeren Strandabschnitt und Strandbädern. 15 Euro zahlen wir hier pro Tag für zwei Betten und einen Schirm (im Juni 2019) und das ist gut investiertes Geld, denn auch die Juni-Sonne zeigt recht deutlich was sie kann. Zu Mittag gibt es dann eine Kleinigkeit im dazugehörigen Strandlokal und natürlich ein Gelato. Und nirgendwo sonst schläft es sich so entspannt, wie am Nachmittag auf einer Strandliege, mit dem Meeresrauschen im Ohr... Auch hier gilt: Juni ist Nebensaison und vor allem sind hier – unter ein paar versprengten holländischen Touristen – italienische Urlauber:innen und Einheimische unterwegs. Wunderbar!
Lido di Tropea
Von Otranto auf der SSP366 Richtung Alimini. (Gebührenpflichtiges) Parken ist auf einem Parkplatz an der SSP366 möglich, dann überquert man die Straße und erreicht den Strand nach rund 10 Gehminuten. Das Schöne daran: Das fast ohrenbetäubende Konzert der Zikaden, die da in den hohen Bäumen sitzen, ist gratis! (Eine Zufahrt direkt zum Strand ist für Strandgäste – meines Wissens nach – nicht möglich und das ist auch gut so.
Otranto, das schöne "Tor zum Orient"
Nur rund 80 Kilometer trennt Otranto und das gegenüber liegende Albanien, keine Überraschung also, dass auch dieses kleine Städtchen an der Adria oft als "Tor zum Orient" bezeichnet wird. Wir betreten die Altstadt Otrantos aber erst mal durch das mächtige Tor "Porta di Terra" beim ebenso wuchtigen Torre Alfonsino. Liebe auf den ersten Blick ist es nicht zwischen Otranto und mir und vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Stadt abends kennenlernen: Da reiht sich ein grell beleuchtetes Geschäft an das andere am Corso Garibaldi, der sich durch die gesamte Altstadt zieht.
Auf den zweiten Blick, nämlich am nächsten Tag und bei Tageslicht sieht alles gleich ganz anders aus: Ich entdecke wunderschön renovierte Hausfassaden in hellem Sandstein, hübsche ruhige Ecken, schönen Plätze, die mächtige Festung, die gut erhaltenen Stadtmauern, von denen man einen wunderschönen Blick auf Hafen und Meer hat. Hübsche Boutiquen und Restaurants in den kleinen Seitengassen überzeugen mich ebenso. Bei "Giaquinto" (Via Cenobio Basiliano, 25) kann ich mich nicht sattsehen an den schönen Wohnaccessoires aus feinem Leinen und Baumwolle und schließlich werden mich ein paar davon nach Wien zurückbegleiten. Am liebsten würden wir auch gleich in einem der einladenden Lokale einkehren, aber zuerst zieht es uns über die Via A. d`Aragona und die Via Basilicata hinauf zur Piazza Basilica mit der Cattedrale Santa Maria Annunziata. Über sie haben wir viel gelesen, vor allem über den berühmten Mosaik-Fußboden, der beeindruckende 800 Quadratmeter groß ist.
Die Hauptattraktion der Kathedrale von Otranto, Santa Maria Annunziata, die im 11. Jahrhundert von den Normannen errichtet wurde und die größte romanische Kirche Apuliens ist, ist ausgerechnet auf deren Boden zu finden: Denn dieser ist fast zur Gänze auf rund 800 Quadratmetern mit einem aufwändigen Mosaik gestaltet, das aus unzähligen kleinen Kalksteinen zusammengesetzt wurde. Wieviele Steinchen genau hier ihren Platz fanden, darüber gehen die Zahlen auseinander, zwischen 600.000 und mehreren Millionen dürften es gewesen sein. Aber wie auch immer: Wie lange muss man dafür gebraucht haben, fragen wir uns, um den Boden in Mittelschiff, Querhaus und Apsis fast komplett auszufüllen? Der Legende nach hat dies ein einziger Mönch geschafft, ein Mann namens Pantaleone aus dem nahe gelegenen Kloster San Nicola di Casole und das in nur zwei Jahren.
Ein immer wiederkehrendes Motiv dieses Mosaikbodens ist der Welten- bzw. Lebensbaum. Der größte dieser drei Lebensbäume ist jener, den man gleicht sieht, sobald man den Dom betritt: Er wächst förmlich aus dem Rücken zweier Elefanten heraus und füllt fast das ganze Mittelschiff aus. Viele bekannte Geschichten und Personen sind hier ebenfalls zu finden: Der Turmbau zu Babel genauso wie der Bau der Arche Noah, die Geschichte von Kain und Abel, König Salomon wie auch die Königin von Saba. Dazu jede Menge Fabeltiere und viele glauben, dass sich der Schöpfer des Mosaiks, Pantaleone, hier auch selbst verewigt hat, als Mönch, der vor einem Einhorn kniet. Es ist als ob man hier ein überdimensionales Bilderbuch abschreiten würde: An die 700 Geschichten sollen in diesem mehr als beeindruckenden Kunstwerk miteinander verknüpft sein. Wir nehmen uns viel Zeit und dennoch hat man hier wohl nicht alles gesehen, wenn man die Kirche wieder verlässt...
Aber auch abseits des Mosaikbodens hat der Dom von Otranto kunsthistorisch einiges zu bieten. Ein wenig Zeit sollte man sich bereits außerhalb nehmen, denn an der Hauptfassade beeindrucken die Fensterrosette im gotischen Stil und das üppige barocke Portal. Eine kleine Reise in die Geschichte Otrantos kann man in der Apsis des rechten Seitenschiffs, in der Cappella dei Martiri unternehmen: 1480 überfielen die Türken die kleine Stadt, die damals große Bedeutung für die ganze Region hatte. 800 Einwohner Otrantos sollen damals enthauptet worden sein, da sich sich geweigert hatten ihren christlichen Glauben abzulegen. In der Cappella dei Martiri, die Ferdinand I. als Gedenkort für die Märtyrer errichten ließ, befinden sich deren Gebeine – aufeinander geschichtet, in großen Glasschränken. Ein wenig gruselig ist das, aber auch sehr beeindruckend. Unter dem Altar befindet sich der Richtblock, auf dem sie angeblich geköpft worden waren. Eine blutige Geschichte und irgendwie zieht es uns jetzt sehr nach draußen, an die Sonne, in die Wärme. Aber zuvor statten wir noch der darunter liegenden Krypta einen Besuch ab: Über eine Treppe geht es hinunter in die Unterkirche, zu einem regelrechten Säulenwald. Gerade weil der Raum so niedrig ist, wirken die 42 Säulen mit ihren Kapitellen in unterschiedlichen Stilrichtungen besonders dominant. Leider sind gerade besonders viele Besucher:innen in der Krypta, also los, hinaus an die frische Luft...
Bevor wir den Dom verlassen, lohnt sich aber noch ein intensiver Blick hinauf: Eine beeindruckende Kassettendecke ist hier zu sehen und das Licht, das durch die Fenster hereinfällt, betont die Schönheit dieser Decke noch mehr. Hier herinnen scheinen Boden und Decke um die Aufmerksamkeit der Besucher:innen geradezu zu konkurrieren. Bei mir haben sie beide gewonnen...
Es gibt noch mehr zu sehen in Otranto: So z. B. das mächtige Castello Aragonese am Südrand der Altstadt. 1480 hatten die Türken Otranto überfallen, auch das Kastell musste erst wieder aus türkischer Hand befreit werden. Nachdem das gelungen war, reagierte man darauf auch mit dem Um- und Ausbau des Kastells; Ferdinand I. von Aragon ließ die Burg großteils neu errichten. Dies blieb natürlich nicht der einzige Umbau in all den Jahrhunderten. Heute präsentiert sie sich als fünfeckige Anlage mit drei mächtigen Rund-Türmen, umgeben von einem breiten Burggraben. Im Sommer finden hier Konzerte und diverse andere Veranstaltungen statt, besichtigt werden kann es natürlich auch.
Ebenfalls sehenswert ist die kleine Basilica San Pietro, die vermutlich ursprünglich die Hauptkirche von Otranto war. Sie ist die einzige Kreuzkuppelkirche Apuliens und bietet interessante Original-Fresken. Mehr Informationen dazu gibt es in meinem Blog-Bericht vom Sommer 2025.
Meer, Strand und gutes Essen stehen bei uns in Otranto am Programm, sobald wir das kulturelle Programm abgehakt haben. Wobei Otranto auch ein guter Ausgangsort für weitere Ausflüge ist, zum Beispiel nach Santa Maria Leuca mit seinen hübschen Villen und der Wallfahrtskirche, ganz unten am südlichsten Zipfel Apuliens, oder nach Galatina im Landesinneren, das über eine sehenswerte Altstadt und großartige Kirchen verfügt. Und nördlich von Otranto zwischen Torre del Serpe und Torre Sant`Emiliano wartet eine wunderschöne felsige Küste...
Aber für uns ist nun "Italienurlaub wie damals" angesagt für die restlichen Tage unserer Reise: Tagsüber faulenzen wir am Strand, werfen uns mit kindlicher Freude in das türkise Meer, entscheiden uns maximal zwischen Panino und Insalata Caprese zu Mittag und zelebrieren das Nachmittagseis. Denn was braucht es viel mehr für`s Urlaubsglück? Abends geht es dann in eines der zahlreichen Restaurants in Otranto, danach schließen wir uns der allabendlichen Passeggiata der Einheimischen auf der breiten Uferpromenade an, und ja, ein weiteres Eis geht auch immer. Und wenn uns die Sonne nicht zu müde gemacht hat, dann geht sogar noch ein Drink in der Bar Maestrale auf dem alten Kai der Stadt, direkt an der Bucht. Ja ja, Otranto, blink du nur herüber zu uns mit deinen Lichtern, wir mögen dich eh. Und ja, der Abschied fällt uns auch von dir schwer....
Und hier gibt´s noch mehr Apulien: Lecce – wo der Barock Kapriolen schlägt I 48h im schönen Valle d`Itria I O(h)stuni! La città bianca – die weiße Stadt I Hotel-Tipp: Die Masseria Mongiò dell`Elefante bei Otranto I
Der guten Ordnung halber erwähnt: Das ist ein unbeauftragter und unbezahlter Blog-Beitrag. Die Ausgaben gingen allesamt zulasten des eigenen Geldbörsels...
destination
Otranto ist die südöstliche Stadt Italiens und nur rund 80 Meereskilometer von Albanien entfernt, immer wieder wird die Stadt auch als "Tor zum Orient" beschrieben. Bereits die alten Römer haben von hier Handel mit Kleinasien betrieben. Heute ist Otranto eine beliebte Urlaubsdestination am Stiefelabsatz Italiens, was vor allem den wunderschönen Stränden und Küstenabschnitten nördlich und südlich geschuldet ist. Wer Lust auf klassischen Badeurlaub hat, ist hier gut bedient, aber auch die Kultur kommt in diesem Landesteil Apuliens keineswegs zu kurz, ist man doch schnell in Lecce, der barocken Provinzhauptstadt, oder in anderen hübschen Städten wie Gallipolli oder Galatina. Ein Abstecher lohnt auch zur Wallfahrtskirche Santa Maria di Leuca am südlichsten Zipfel Apuliens.
gut essen & trinken
Gut essen in Otranto? Ja natürlich! Tipps dazu gibt es hier.